Am Anfang war Adam – Henkell & Co.

Die Henkell & Co. Sektkellerei

Es ist ein betontes Stück Lebensgefühl. Eine Flasche Sekt, Prosecco oder Champagner öffnet man selten für sich alleine, aber es gibt eigentlich immer einen Anlass, einen Grund zu feiern. Weshalb der Spruch „eine Flasche Sekt köpfen“ zum geflügelten Begriff wurde, um auf etwas anzustoßen. Wiesbaden hat allen Grund, es auf die Sektkellerei Henkell zu tun. Von Mario Bohrmann

Die Geschichte der Henkell & Co. Sektkellerei begann vor 185 Jahren auf der anderen Rheinseite. 1832 fing der aus Kassel stammende Kaufmannssohn Adam Henkell im frankophilen Mainz mit einem Weinhandel an und spezialisierte sich dabei früh auf französische Weingüter. Daneben vertrieb er rheinhessische und Rheingauer Weine. Offenbar unterhielt er gute Kontakte und hatte bald geschäftlichen Erfolg. Wie es sich für einen Weinkenner gehört, hatte er die richtige Nase und spürte früh, dass das Thema Champagner nicht nur in Frankreich ein Modethema wurde, sondern mehr und mehr auch hierzulande. Warum aber nur importieren, wenn man das prickelnde Getränk angesichts solch guter Kontakte zu Weingütern und der Kenntnis um die Flaschengärung auch selbst vor Ort herstellen könnte? Zu dieser Zeit war Champagner noch kein geschützter Herkunftsbegriff, sondern stand in erster Linie für das Herstellungsverfahren in Flaschengärung, meist aus französischen Weinen.

Adam Henkell ging nun für einige Monate nach Frankreich in die Champagne und lernte von den dortigen Manufakturen die Weinveredelung zu Champagner kennen. Zurück in Mainz ließ er zunächst noch in Lohn fertigen, fand dann aber in der Mainzer Walpodenstraße eine geeignete Produktionsstätte und begann 1856 seinen ersten eigenen Sekt zu machen. Eine Produktion von etwa 12.000 Flaschen rheinischen Schaumweins ist schon aus diesem Jahr belegt.

Seine Devise dabei war: Ich mache meinen eigenen Champagner ausschließlich aus französischen Weinen und kombiniere diesen Prozess mit deutscher Handwerkskunst. Das gelang ihm auch, und in Mainz begann man in immer mehr gemieteten Weinkellern den an der Walpodenstraße hergestellten Champagner zu lagern, zu rütteln und zu drehen. Sohn Rudolf stieg nach dem Tod Adam Henkells 1866 in die Geschäfte ein. Richtig Fahrt nahm das Unternehmen aber erst durch den Firmeneintritt von Adams Enkel Otto 1892 auf. Er brachte das Unternehmen dann auch nach Wiesbaden und zu Weltruhm.

Otto Henkell – ein Marketinggenie

Der Enkel von Firmengründer Adam, Otto Henkell, war ein richtiger Unternehmertyp. In Mainz war der Sekt durch Großvater und Vater nun ordentlich eingeführt. Otto ging in seiner Lehrzeit auch nach London und in die USA und lernte in New York das „Brandbuildung“ kennen, die Schaffung einer Marke, was in Deutschland in dieser Form noch nicht existierte. Otto Henkell hatte nun die geniale Idee, neben der Topqualität, die ein Markenprodukt auszeichnet und deren er gewiss war, ein weiteres Attribut hervorzuheben. Mit der Bezeichnung seines Hautprodukts als „Henkell Trocken“ gelang es ihm 1899, neben dem Herstellernamen auch nach außen zu tragen, was per se für hohe Qualität stehen musste: ein trockener Sekt. Minderwertige Weine lassen sich nämlich mit Zucker leicht übertünchen, camouflieren, also tarnen. Wer jedoch einen guten trockenen Sekt herstellt, kann dies nur aus hochwertigen Weinen tun. Trocken war somit ein früher Ausweis für einen qualitativ hochwertigen Sekt, der nun mit Henkell und zugleich als Markenname fest verbunden war.

Zunächst als „Henkell Sekt trocken“ auf den Markt gebracht, wurde er von den Kunden jedoch schnell schlicht „Henkell Trocken“ genannt. Otto Henkell schaute dem Verbraucher aufs Maul und folgte dieser Empfehlung, die bis heute gilt. Lediglich Schriftzug und Design der Flasche veränderten sich noch während folgender Dekaden. „Corporate Identity“ gab es zunächst noch nicht, und mal wurde „Henkell“, mal „Trocken“ hervorgehoben, aber die Markenbildung war gelungen. Durch Qualität und einheitliches Design war die Grundlage gelegt. Folgerichtig betrieb Otto mit der neuen Marke Reklame, was seinen größten Erfolg darstellte – und eher ein Novum in Deutschland war, wurden Zeitungen doch in erster Linie noch von Amtsmitteilungen getragen und kaum von Anzeigen. Sein Vater Rudolf vertraute ihm immer größere Etats an. Mitursächlich für den sich auch international einstellenden Erfolg der Sektmarke „Henkell Trocken“ war jedoch die geistreiche und künstlerisch ansprechende Werbung, die Otto Henkell in erheblichem Umfang einsetzte.

Reklame und Gemeinschaftswerbung

Mit Kunstgrafikern wurde dabei jedes Werbesujet einzeln entworfen, grafisch aufgearbeitet und in damals „coolen Zeitungen“ wie „Die Jugend“ oder „Simplicissimus“ veröffentlicht. Später erfand Otto Henkell zusammen mit einem befreundeten Unternehmer, Ludwig Stollwerk, die Gemeinschaftswerbung. Sekt und Schokolade passen gut zusammen. Warum nicht in Anzeigen das Gefühl der Geselligkeit nebst kleinem Luxus aufzeigen, das sich beim Genuss eines Glases Henkell Trocken mit einem Stück Schokolade von Stollwerk einstellt? Und warum sich dabei nicht die Anzeigenkosten teilen? Mithin man so mit gleichem Etat die doppelte Anzahl schalten konnte?

Otto Henkell war ein frühes Marketinggenie. Das zeigte sich in Vollendung dann auch in der Wahl von Bauplatz und Architektur für die neue Sektkellerei Henkell, die dringend nötig war. Denn durch den enormen Erfolg der neuen Marke und der Werbung musste nun verteilt über 50 Weinkeller in und um Mainz gearbeitet und produziert werden. Das wurde ein immer größeres logistisches Problem. Aber nun waren auch die Mittel da, um an eine neue Fabrik in großen Maßstäben zu denken.

Schloss Henkellsfeld

Um 1900 begann die Suche nach einem passenden Grundstück, doch in Mainz wurde man nicht fündig, die Unterstützung der Stadt war mäßig. Otto Henkell lebte aber bereits zu dieser Zeit in Wiesbaden, der mondänen Kurstadt, in der nicht nur viel Sekt getrunken wurde, sondern auch gut Kontakte eingefädelt werden konnten. Auf dem Weg von und nach Mainz fuhr Otto Henkell täglich die heutige Biebricher Allee entlang, über die Adolfshöhe. Hier lag eine große, ausgebeutete Kiesgrube der Dyckerhoff-Werke, und die Stadt Biebrich am Rhein, auf deren Gemarkung es lag, unterstützte eine solche Industrieansiedlung gerne durch günstige Bedingungen beim Grunderwerb. Das Geniale an dieser Idee war nicht nur, die bereits tief ausgehobene Grube zur Adolfshöhe hin, unterhalb des Wasserturms zu nutzen, die ein Ausschachten über viele Etagen erübrigte. Auch die Lage genau zwischen Mainz und Wiesbaden und nahe am Rhein war ideal. Mit der Aartalbahn direkt am Baugrundstück war sogar ein Gleisanschluss unmittelbar an die neue Sektkellerei möglich, nebst „Kleinem Bahnhof“ etwas oberhalb. Nachdem das Grundstück gefunden und erworben war, schrieb die Firma einen Architekturwettbewerb aus, denn die Stadt Biebrich ließ im Kaufvertrag festhalten, dass die zu errichtenden Gebäude „ein gefälliges, der Umgebung entsprechendes Aussehen“ erhalten sollten. Die Jury musste jedoch erst gar nicht zwischen den wenigen eingereichten Entwürfen entscheiden. Otto Henkell beauftragte frei Hand und über alle Köpfe hinweg einen damals gerade erst 30 Jahre alten Architekten mit der Erbauung des sogenannten Henkell-Schlösschens. Der junge Mann hatte ihn persönlich sofort und durch und durch überzeugt, da mochte Otto Henkell sich von einer Jury erst gar nicht reinreden lassen.

Ein Sektpalast als Spitze des Eisbergs

Die Idee, eine industrielle Anlage in klassizistischem Stil zu verpacken, hatte der damals noch unbekannte Stuttgarter Architekt Paul Bonartz, der einige Jahre später auch den Stuttgarter Bahnhof baute. Sein Entwurf eines schlossartigen Bauwerks kombinierte den Anspruch an Repräsentativität für Kundenempfänge und Besucher in den obersten Etagen mit der Notwendigkeit vieler Arbeits- und Kellerei-Ebenen in der Tiefe. Die Sektkellerei Henkell hat nicht weniger als sieben Etagen. Unternehmenssprecher Jan Rock vergleicht sie, als wir uns über die Architektur und Bilder aus der Bauzeit unterhalten, mit einem Eisberg, von dem man nur die Spitze sieht. Und begibt man sich durch diese sieben Kellerei-Etagen, die nach hinten längst um riesige Gär- und Produktionshallen erweitert wurden, trifft diese Bezeichnung sehr wohl zu. „Die Spitze des Eisbergs“ an der Biebricher Allee zeigt nur einen Teil des ansonsten eher pragmatischen Gebäudes, entfaltet dort aber seine volle Pracht.

Nach einer Rekordbauzeit von zwei Jahren zog die Firma Henkell am 27. November 1909 nach Henkellsfeld in Biebrich um. Das aufwendige Kupferdach und die Marmorsäulen sowie die mit Travertin verkleidete Fassade entsprachen dem luxuriösen Getränk, das bis heute dort hergestellt wird. Auch für die Biebricher und die Eigentümer der um die Adolfshöhe entstandenen Landhäuser war die Entscheidung Otto Henkells ein städtebaulicher Glücksfall. Denn es entstand ein schlossartiges, breites Palais mit halbkreisförmigen Kolonnaden, die einen Ehrenhof umfassen. Die Seitenflügel werden durch Pavillons abgeschlossen und unterstreichen den einladenden Charakter. Den Giebel des vorspringenden Mittelteils zieren zwei kelternde Putten. Hinter dem rechten Seitenflügel befindet sich eine Bacchusskulptur aus Bronze, die die Besucher der Sektkellerei auf einem Fass reitend mit weinseligem Gesicht und einem Trinkpokal in der rechten Hand begrüßt.

Im Inneren des Gebäudes beeindruckt vor allem der prachtvolle Marmorsaal, der zunächst noch klassizistisch schlicht gehalten war. Da Otto Henkell die ursprüngliche Gestaltung nicht mehr repräsentativ genug erschien, wurde die Empfangshalle im Jahre 1928 ausgiebig mit überbordenden Verzierungen im Stile des Rokoko ausgeschmückt. Ebenso verspielt wie im Foyer des Staatstheaters. Es war eine der letzten Handlungen Otto Henkells, der ein Jahr darauf verstarb. Er hatte das Unternehmen geprägt wie kein anderer.

Die Erfindung des Pikkolo

Seine Nachfolger – die Anteile waren nun unter mehren Familienzweigen verteilt – führten die Geschäfte expansiv fort. Mit der Erfindung des „Pikkolo“ gelang ihnen in den frühen 1930er Jahren ein weiterer Schachzug, denn bis heute ist dieser Begriff markenrechtlich durch Henkell geschützt. Die „Viertelflasche“ war zwar bereits um 1900 als „Quart“-Flasche bekannt, wurde aber eher von Apotheken als größere Einheit für flüssige Arzneien verwendet, den „Medicinal Sects“.

Es waren aber auch Zeiten kränkelnder Wirtschaft. Die Weltwirtschaftskrise hatte ihren Höhepunkt erreicht, den Leuten ging es schlecht – man wollte zwar, aber es gab nicht viel zu feiern. Doch genau dafür ist Sekt da. Eine ganze Flasche war für viele Menschen finanziell nicht mehr drin. Mit dem Pikkolo, etwas mehr als einer viertel Flasche Sekt, konnte man nun auch das Gläschen von und für unterwegs anbieten. Und etwas zum Anstoßen für kleines Geld. Die Herausforderung, die passende Glasstärke für wenig Sekt unter großem Druck zu finden, meisterte die Kellerei nach einigen Fehlschlägen und explodierten Fläschchen und trug Mitte der 1930er Jahre nicht nur das eingedeutschte „Pikkolo“ als Marke für Henkell-Sekt in dieser Flaschenform ein, sondern prägte damit fortan den Namen für die kleinste Flasche Sekt, egal wer sie produzierte.

Ein kleiner, flinker Kellner wurde nun dominierende Werbefigur von Henkell, in Österreich ist der Piccolo (italienisch für „Kleiner“) noch heute eine Bezeichnung für einen Kellner-Lehrling. Henkell setzte damit die Marketingideen der gleichermaßen niedlichen wie sympathischen Werbefiguren von Otto Henkell konsequent fort. Denn der „schwarze Herr“, der in Livree oder smokingähnlich gekleidete noble Kellner, der „Garçon“, tauchte schon in dessen frühen Anzeigen auf. Mit den nicht abwertend oder geringschätzend gemeinten Piccolos waren dessen Nachwuchskräfte, die „Kleinen“ gemeint. In Zeiten von Nachkriegsarmut und knapper Kassen kam die Erfindung des Pikkolo zur rechten Zeit und hat der Sektflasche mit 0,2 Liter Inhalt bis heute einen Eigennamen verpasst, obwohl nur Henkell ihn verwenden darf. Nach Überzeugung des Autors sind seitdem eindeutig häufiger Pikkoloflaschen in den Handtaschen von Frauen verborgen als Flachmänner in den Manteltaschen von Männern …

Im Wandel der Zeit

Die späteren Designänderungen und Neuerungen waren gegenüber der Markenbildung von Henkell Trocken und der Erfindung des Pikkolo nur noch marginal. Doch die schräge Banderole am Flaschenhals wäre noch zu erwähnen. Denn steht die Sektflasche im Kühler, und früher war das fast immer so, sieht man die Marke nicht. Durch den schräg nach oben gezogenen Aufdruck war aber immer etwas von dem Wort „Henkell“ zu sehen – seit dem Farbdruck 1949 in roter Schrift.

Maßgebliche weitere Veränderungen gab es erst wieder Jahrzehnte später durch Fusionen und Zukäufe, die Henkell & Co. zu dem machten, was sie heute als Teil der Oetker-Gruppe auf dem weltweiten Sektmarkt sind. Vielerorts ist Henkell Marktführer. Mit der Zentrale in Wiesbaden. Hier wird der meiste Sekt gemacht!

Expansion und Söhnlein-Ehe

Die Unternehmensgeschichte der Sektkellerei Henkell führte nicht erst in der Gegenwart an mehreren Stellen mit Söhnlein zusammen. Wenn zunächst auch als Konkurrenz. Söhnlein hat seine Wurzeln seit 1864 in Schierstein, am Tor zum Rheingau, und machte es sich, der Konkurrenz von Henkell im Champagnersegment bewusst, zu eigen, die Rheingauer Weine vor Ort zu verwenden. Der dort bald dominierende Riesling galt den Söhnleins schon früh als für die Sektherstellung am besten geeignete Wein. Ihr Motto: Der Rheingau ist die deutsche Champagne.

Schon in dieser Zeit bestanden Beziehungen zwischen Söhnlein und dem Schloss Johannisberg bei Geisenheim. Dort wurde bereits seit den 1870er Jahren ausschließlich Riesling angebaut. Schon seit Söhnleins Gründungszeit lieferte Fürst von Metternich teilweise den Wein, aus dem „Söhnlein Rheingold Riesling“ entstand und reich prämiert wurde. Aufgrund der engen Zusammenarbeit von Schloss Johannisberg und Söhnlein entstand Ende des 19. Jahrhunderts der „Schloss Johannisberger Fürst von Metternich Riesling“, seit 1970 als „Fürst von Metternich Riesling Sekt“ eine eigene und sehr beliebte Marke. Die Cuvée dazu wird noch heute auf Schloss Johannisberg – räumlich und historisch ein Epizentrum des Rieslings – zusammengestellt.

Schloss Johannisberg

Fürst von Metternich bekam Schloss Johannisberg 1816 für seine Verdienste um den „Wiener Kongress“ von Kaiser Franz aus Österreich geschenkt. Der hatte das Weingut beim Zusammenbruch des napoleonischen Reiches geerbt, während dem Herzogtum Nassau der restliche Rheingau zugesprochen wurde. Bis heute gilt eine 200 Jahre alte Regelung, nach der ein Zehntel der Erträge von Schloss Johannisberg an das Haus Habsburg zu entrichten ist. Früher wurde diese Gewinnbeteiligung als Pachtzahlung in Weinfässern abgegolten, heute in Geld. Zehntberechtigter ist zurzeit Karl Habsburg-Lothringen, das derzeitige Oberhaupt des Hauses Habsburg.

Seit 1958 gehörte Söhnlein bereits zur Oetker-Gruppe, ab 1974 erwarb Söhnlein Eigentumsrechte an Schloss Johannisberg, 1980 die Mehrheit. Die Verwaltung wurde mit dem ebenfalls zu Oetker gehörenden Gut von Mumm zusammengelegt.

Söhnlein und Henkell fusionierten 1987 zur Henkell und Söhnlein KG. Diese wurde mit dem Verkauf durch die Familie Henkell von der Familie Oetker übernommen. Die Aktivitäten auf dem Sektmarkt und auch der Besitz von Schloss Johannisberg und zahlreicher weiterer Weingüter in nahezu allen bekannten Lagen wurde in der Henkell & Söhnlein Sektkellereien KG gebündelt. In der Folge begann die Internationalisierung des Unternehmens, das heute als Henkell-&-Co.-Gruppe neben zahlreichen internationalen Sektkellereien auch über je eine eigene Champagner-, Crémant-, Cava- und Prosecco-Kellerei verfügt und in über 100 Länder exportiert.

Als in Wiesbaden beheimatetes Unternehmen unterstützt Henkell & Co. unzählige gesellschaftliche und karitative Projekte, sponsert deren Veranstaltungen oder richtet deren Sektempfänge aus. Der Sektpalast an der Biebricher Allee hat sich in den letzten Jahren auch immer weiter geöffnet und bietet durch zahlreiche kulturelle Veranstaltungen Gelegenheit, das einzigartige Gebäude zu bewundern. Etwa 35.000 Menschen haben im Jahr 2017 die Sektkellerei besucht. Die traditionelle Sektnacht zur Zeitumstellung Ende Oktober oder der vor allem im Freien stattfindende Sekttag im Frühling mit einigen guten Lifebands ist längst kein Geheimtipp mehr. Die neu eingerichtete Sektmanufaktur aber ist es schon, und wir können einen Besuch dort nur empfehlen. Sie macht Sekt-Handwerk erlebbar.


UNTERNEHMENSINFOS

Die Henkell & Co.-Gruppe ist in 20 Ländern mit eigenen Unternehmen vertreten, exportiert in über 100 Staaten und beschäftigt insgesamt 1922 Mitarbeiter. Wiesbaden ist Hauptsitz und größter Produktionsstandort.

An drei Standorten in Deutschland und elf weiteren Produktionsstätten in West- und Osteuropa werden Sekt, Wein und Spirituosen hergestellt. Henkell & Co. ist zudem auch Marktführer für Wodka in Deutschland (Gorbatschow), Gin in Polen und Weinbrand in der Slowakei. Auch Kuemmerling und Batida de Coco gehört zum Markenuniversum von Henkell & Co. Henkell Trocken ist zugleich Marktführer in Kanada. (Angaben aus dem Geschäftsjahr 2016)

 

INFOSEITE

Gründer-Cuvée

Adam Henkell war es, der den Grundstein für die Wein- und Sektkellerei nicht nur im Handel legte, sondern auch für die eigene Produktion von Sekt und Champagner. Dessen besonderer Verbundenheit mit Frankreich widmet die Sektkellerei Henkell eine „Gründer-Cuvée“ unter der Marke „Adam Henkell“, die nur in Wiesbaden produziert wird. Wie bereits 1856 besteht sie zu 100 Prozent aus Chardonnay, damit versucht Henkell, seinem Firmengründer Adam sehr nahe zu kommen. Verwendet wird ausschließlich Chardonnay aus Frankreich. Unternehmenssprecher Jan Rock, der die lilienjournal-Redakteure stundenlang durch Betrieb und Salons führte, nennt die Cuvée „die Wiedergeburt von Adam Henkell“. Sie wird abseits der großen Produktionsstraßen von Hand in der Sektmanufaktur zu Sekt veredelt. Hierbei hat man es aber auch mit einem Spitzenprodukt deutlich jenseits der zehn Euro zu tun. In deutlich kleineren Chargen hergestellt als die klassischen Sektsorten aus dem Hause, wie Henkell Trocken, Söhnlein Brillant oder Fürst von Metternich, darf die Gründer-Cuvée auch, wie ein Jahrgangssekt, von Jahr zu Jahr anders schmecken. Im Standardproduktbereich jedoch sieht das anders aus. Hier ist vom Verbraucher gewünscht, dass sein Sekt immer schmeckt wie gewohnt.

Zusammenstellung der Cuvée – die Marriage

Eine extrem anspruchsvolle Aufgabe war und ist es, die verschiedenen Weine „zu verheiraten“, bevor sie ihre Flitterwochen in der Flasche oder im Gärtank verbringen. Französisch ist immer noch die Fachsprache, wenn es um Begriffe aus der Sektproduktion geht. Und „Marriage“ und „Cuvée“ klingen doch auch viel schöner als „Heirat“ oder „Verschnitt“. Letztlich ist diese Mischung verschiedener Weine aus verschiedenen Lagen aber nötig, um in immer neuer Zusammenstellung gleichbleibende Säure und Süße zu erhalten. Bei den Mengen, die hier in mehr als 200.000 Liter fassenden Tanks erzeugt werden, bedeutet es Verantwortung wie Herausforderung, individuell den mehr oder weniger fruchtigen oder trockenen Geschmack herauszuheben. Hier gibt es kein Rezept mit den immergleichen Zutaten – hier ist Erfahrung, Wissen und Fingerspitzengefühl gefragt. Längst nicht mehr entscheidet ein Kellermeister allein über die Ausgewogenheit der Cuvée, die einfach nötig ist, um nach der zweiten Gärung und einer Lagerung von mindestens einem weiteren halben Jahr einen Sekt mit möglichst gleicher Note zu erhalten

Heute arbeitet ein ganzes Team an dieser Qualitätssicherung des individuellen Markengeschmacks. Auch moderne Laboranalytik gehört dabei zum Spektrum eines Önologen in einem solch großen Lebensmittelbetrieb. Hier können Zuckergehalt, Säure und Alkohol bestimmt, und weitere Hinweise auf die gegenwärtige Zusammensetzung technisch gewonnen werden, um die Anteile der verschiedenen Weine in der gewünschten Cuvée zu gewichten. Am wichtigsten aber bleiben tatsächlich die Sinne, die „organoleptische Prüfung“: die hilfsmittelfreie Bewertung eines Objektes in Bezug auf Eigenschaften wie Geruch, Geschmack oder Aussehen durch Spezialisten auf diesem Gebiet, die bei einem Schnupfen ausfallen. Trotz aller unterstützenden Verfahren und moderner Technik entscheiden letztlich auch bei Henkell immer noch Nase und Gaumen eines kleinen Teams über Wohl und Wehe einer ganzen Tagesproduktion.

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