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Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

Schon vor 200 Jahren in den Märchen der Gebrüder Grimm hatte der Wolf ein Imageproblem. „Der Wolf und die sieben Geißlein“ sowie „Rotkäppchen“ zeichnen einen heimtückischen Charakter, listig und gefährlich. Die Industrialisierung nahm ihnen den Raum, Angst oder Gier das Leben – weniger als einhundert Jahre später wurde 1904 der letzte freilebende Wolf in der Lausitz erschossen. Doch sie kommen zurück.

Im Spannungsfeld von Ackerbau und Viehzucht, Jägerei und dicht besiedelten Gebieten hat der Wolf nur unter strengsten Schutzvorschriften und bei viel Öffentlichkeitsarbeit eine Chance, hier wieder heimisch zu werden. Während im Osten Deutschlands und in Niedersachsen mindestens 34 Rudel und fünf Einzelwölfe unterwegs sind, verirren sie sich bislang nur vereinzelt nach Hessen. Von den letzten beiden hier gesichteten Wölfen wurde der eine im Westerwald erschossen, der andere kürzlich bei Bad Soden-Salmünster überfahren.

Verschiedene Interessenlagen

Wenn vermeintlich häufige Übergriffe von Wölfen an Schafen breit in die Medien treten, so wird dies von Nutztierhaltern und der Landwirtschaftslobby auch dazu genutzt, Sympathien in der Bevölkerung für eigene Interessen einzuwerben und Subventionen zu begründen.

Schafhalter stehen ohnehin unter wirtschaftlichem Druck; die Preise für Wolle und Fleisch der Tiere sind im Keller. Da kommen die Wölfe gerade recht. Meist sind gemeldete Verletzungsfälle jedoch nicht von Wölfen zu verantworten, wie DNA-Tests belegen. In Wirklichkeit werden Schafe häufig von wildernden Hunden, Füchsen oder Wildschweinen gerissen oder sterben eines natürlichen Todes.

Viele Jäger sehen den Wolf eher als Konkurrenten denn als Unterstützer. Obgleich ein Wolf vorzugsweise alte oder schwache Tiere angreift, also eine natürliche Hege durchführt, und die Jäger es regelmäßig nicht schaffen, die Abschusspläne für Reh- und Schwarzwild (Wildschweine) zu erfüllen, fühlen sich manche um ihren „Besitz“ betrogen, wenn Wölfe Rehe fressen.

Deutschland hat genug Platz für weitere Rudel, auch im Taunus könnten sie wieder heimisch werden. Die Zahl der registrierten Zwischenfälle, der unangenehmen Begegnungen zwischen Wolf und Mensch, in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg ist extrem gering. Kein Todesfall ist bekannt. Dagegen kommen jedes Jahr in Deutschland mehrere Menschen durch Hundebisse ums Leben oder werden schwer verletzt. Wölfe sind sehr scheu. Am besten koexistieren Mensch und Wolf, indem sie sich ignorieren. Ein Wolf, der Menschen gegenüber keine Scheu mehr empfindet oder sich auf Nutztiere spezialisiert, kann trotz des strengen Schutzes auch umgesiedelt oder getötet werden. Wenn wirklich einmal ein echter „Notfall“ einträte, was extrem unwahrscheinlich ist, hätte man Möglichkeiten einzugreifen. Die Wahl des mildesten Mittels ist dabei sorgsam zu treffen.

Herdenschutzhunde

Besten Schutz, damit es erst gar nicht zu Übergriffen auf größere Schafherden kommt, bieten Herdenschutzhunde. Sie wachsen meist mit den Schafen auf und gehen eine enge Bindung zu ihnen ein. Sie sind keine Hütehunde und daher vor allem nachts eigenständig im Einsatz, um die Grenzen vor Eindringlingen zu sichern. Menschen oder Hundehalter, die sich einer so bewachten Herde nähern, sollten Abstand halten. Ein Herdenschutzhund wird nicht ohne Grund angreifen, aber seine Herde bis aufs Äußerste verteidigen. Ein Wolf geht ein solches Risiko nicht ohne Not ein.

In Wiesbaden bietet uns die Fasanerie die Möglichkeit, Wölfe zusammen mit Bären zu erleben. Einige Wölfe wurden kürzlich in den alternativen Wolf- und Bärenpark im Schwarzwald umgesiedelt. Nun ist noch ein Pärchen da, vielleicht klappt es dieses Jahr wieder mit Nachwuchs. Selbst wenn das gelingt, müssen die Tiere nach einigen Jahren wieder getrennt werden. Denn für mehrere Rudel bietet das Gehege der Fasanerie nicht ausreichend Platz.

Wolfstage in der Fasanerie

Der Freundeskreis frei lebender Wölfe e. V. ermöglicht zum wiederholten Male die „Wolfstage”:

Am 16. und 17. Mai haben Kinder jeden Alters jeweils von 11 bis 17 Uhr die Möglichkeit, am oberhalb gelegenen Wolfsgehege der Fasanerie Wiesbaden Fragen über Wölfe zu stellen.
Wo leben sie? Wo kommen sie her? Sind sie gefährlich für uns Menschen? Es gibt viel Anschauungsmaterial, Broschüren und eine aktuelle Karte über die Verteilung der Wolfsrudel in Deutschland.
Für alle Interessierten gibt es ergänzend am Nachmittag im 1. Stock der Fasaneriescheune eine Filmvorführung über Wölfe in Deutschland. Den ganzen Tag über finden Aktionen für Kinder statt: Pfotenabdrücke können in Gips gegossen oder in Lehm geprägt werden.

Fasanerie Wiesbaden, Eintritt frei, Spende erwünscht, Rückfragen: 0611 98 77 530

www.lausitz-wolf.de

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