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Stadtbienen: Eine für alle

Lange Zeit gab es große Nachwuchssorgen bei den Imkervereinen. Doch die Bedrohung der Honigbiene durch Umweltbelastungen, intensive Landwirtschaft und eingewanderte Parasiten wie die Varroamilbe hob dieses für uns Menschen wohl nützlichste Insekt wieder in unser Bewusstsein. Imkerkurse sind lange im voraus ausgebucht, viele versuchen sich gleich mit einem Volk auf Probe.

Bienen werden seit 8.000 Jahren von Menschen genutzt, oft auch ausgebeutet, wenn ihnen der Löwenanteil ihrer Vorräte, „unseres“ Honigs, entzogen und gegen Zuckerwasser ersetzt wird. Doch auch dies scheint sich geändert zu haben. Wo wir auch waren bei unseren Imkerbesuchen, ob bei konventionellen, bei Bio- oder gar Demeter-Imkern – sie schwärmen für ihre Bienen und ungeschützt schwärmt es auch tausendfach um uns herum, doch sie stechen uns nicht.

Hingabe

Bienen denken nicht an sich, sondern an die Gemeinschaft. Das Volk als Organismus zählt, nicht das Individuum. Die männlichen Drohnen werden nur für einen Zweck geboren und aufgezogen: um sich mit jungen Bienenköniginnen auf deren Hochzeitsflug zu paaren. Danach sterben sie. Sollten zum Herbst noch Drohnen im Stock sein, werden sie von den weiblichen Arbeitsbienen fortgejagt. Werden sie nicht mehr von ihnen gefüttert, sterben sie. Grausam? Oder eher höherem Zweck dienend? Letztlich machen Königin und Arbeitsbienen den eigentlichen Job. Letztere „arbeiten“ in den vier bis sechs Wochen, die sie im Sommer leben, sehr hart. Und sehr vielseitig. Als Putzbienen halten die frisch geschlüpften Insekten zunächst den Stock sauber. Als Baubienen versorgen sie danach die Larven und bauen die Waben, das Wachs dazu schwitzen die Bienen aus. Auf der Karriereleiter geht es mit zunehmendem Alter hinauf, als Wächterinnen werden sie am Eingang postiert, dann gehen sie als Spurbienen auf die Suche und zeigen anderen Flugbienen, wo es Nektar zu finden gibt, bevor sie schließlich selbst zu sammeln beginnen. Der Imker nennt die Gesamtheit an Nektar und pollenspendenden Blüten die Tracht. Eine gute Tracht liefert einen Überschuss an Honig, den die Bienen für schlechte Zeiten im Stock einlagern. Gerade jetzt, zu Beginn des Sommers, kann man diesen Überschuss entnehmen. So sind bis zu 25 Kilogramm Honigertrag bei einem großen Volk keine Seltenheit.

Gemeinschaftliche Klimaanlage

Im Bienenstock ist es stockdunkel (aus der Imkerei stammt dieser Begriff), aber immer mollig warm für Brut und Volk. Durch eigene Körperwärme und Vibrationen halten die Bienen die Temperatur immer zwischen 20 und 30 Grad. Wird es zu heiß, dienen die Flügel als Ventilator, um unter 37 Grad Stocktemperatur zu bleiben. An solchen heißen Tagen die Hand vorsichtig vor das Einflugloch eines Bienenstocks gehalten spürt man die kühle Luft, die daraus entweicht. Bis zu 2.000 Eier legt eine Königin pro Tag. Je nach dem, was das Volk gerade braucht, werden die Zellen unterschiedlich groß gestaltet und zeigen der Königin an, was zu tun ist. Für eine Drohne wird ein unbefruchtetes Ei gelegt, Arbeitsbienen können nur aus befruchteten Eiern entstehen. Die Arbeiterinnen entscheiden auch, wann es Zeit für eine weitere Königin ist. Diese Thronfolgerin wird durchgängig mit dem sogenannten Weiselsaft gefüttert, besser bekannt als Gelée Royale. Die klassischen Arbeitsbienen dagegen erhalten ab dem dritten Larvenstadium nur Pollen und Honig als Nahrung. Imker können nachhelfen, wenn sie Königinnen produzieren wollen. Demeter-Imker zum Beispiel lassen immer das Volk selbst entscheiden.

Trickreiche Ernte

Im Frühjahr, der aktivsten und attraktivsten Zeit für Blüten und Pollen, wird das Volk kontinuierlich vergrößert. 10.000 bis 50.000 Bienen können ihm schließlich angehören, bevor es sich im Winter wieder auf wenige Tausend verkleinert. Für diese Zeit ohne Tracht wird der Honig in Vorratswaben angelegt. Um auch während der Saison schon dazu anzuregen, sich neben der Versorgung von Brut auch um Honig zu kümmern, arbeiten Imker mit einem Trick. Ein Gitter wird zwischen die einzelnen Kisten gesetzt. Die Maschen darin sind gerade groß genug, um die Arbeiterinnen durchzulassen. Die größeren Drohnen und auch die Königin passen nicht hindurch. Somit legt sie in den nicht erreichbaren Etagen auch keine Eier. Um die Brut herum legen die Bienen sonst Vorräte aus Pollen und Honig an. Hier haben sie dazu keine Veranlassung und können sich rein auf das Einlagern von Honig konzentrieren. Diesen Überschuss erntet der Imker.

Über den Dächern

Immer mehr Imker lassen auch in der Innenstadt ihre Völker arbeiten. Der Internist Dr. Peter von Seck betreibt die Imkerei als Hobby bereits seit 40 Jahren und gilt als Pionier in der Innenstadt. Seine Praxis liegt an der Rheinstraße im achten Stock. Vom umliegenden Dachgarten fliegen seine Bienen aus. In Sichtweite erzeugt auch das Hessische Landesmuseum seit dem letzten Jahr eigenen Honig mit einem Dutzend Völkern auf historischer Dachfläche, direkt hinter der Kuppel. Auf Schloss Freudenberg werden Völker durch Demeter-Imker gleich an drei Standorten betreut: Im Schloss, im alten Bus für Demokratie und am unteren Ende des Gartens. Ab und an gibt es Impulsvorträge zu Bienen und auch dort werden Seminare angeboten.

An dutzenden anderen Stellen in Wiesbaden gibt es Bienenstöcke und in den Außenbereichen um ein Vielfaches mehr. Der Imkernachwuchs wächst heran. Wer mehr wissen möchte, kann sich an die BeraterInnen des Imkervereins Wiesbaden wenden. Dieser feiert gerade sein 150-jähriges Bestehen.

www.imkerverein-wiesbaden.de

Imkerberaterin Maria Goldhammer

Erich-Ollenhauer-Straße 58a
65187 Wiesbaden
Tel. 01 76 – 232 639 89

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