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Schloss Biebrich – NASSAU MEETS PREUßEN

NASSAU MEETS PREUßEN

– Das Biebricher Schloss, der Park und die Burg im Kontext Wiesbadener Zeitgeschichte –

Das Biebricher Schloss ist neben dem Kurhaus und der russischen Kapelle das wohl beeindruckendste Kulturdenkmal im heutigen Wiesbaden. Einmalig am Rhein gelegen, mit Blick über die damals noch zweigeteilte Rettbergsau hinweg auf Mainz, begann in Biebrich letztlich der Aufstieg Wiesbadens.

Am Rhein laufen viele Fäden zusammen, die das kleine Fischerdörfchen Biebrich ebenso zur frühen Stadt machten wie die nassauischen Fürsten und Herzöge, die hier so gerne lebten, Wiesbaden zum Kurort entwickelten. Mit der Annexion durch Preußen und den kaiserlichen Besuchen wurde Wiesbaden dann zum Weltkurort und es wurde noch eins draufgesetzt, hinsichtlich Internationalität und Baukultur – das Biebricher Schloss jedoch versank nach der nassauischen Herrschaft nahezu über ein Jahrhundert weitgehend in einen Dornröschenschlaf – und wurde eigentlich erst durch das Land Hessen und lange nach dem zweiten Weltkrieg wiederbelebt.

Sein Ostflügel, das frühere Marstallgebäude, wurde in den letzen Kriegstagen 1945 genauso durch Bomben zerstört wie das Jagdschloss Platte, in Personalunion durch nassauische Herzöge erbaut. Sie formten diese Stadt und das Kureck, bauten die russische Kapelle und schufen den Luisenplatz für ihre verstorbenen Frauen. Stadtschloss, Kurpark, Schlosspark und noch viel mehr gehen auf das Konto des mit 60 Jahren relativ kurzlebigen Herzogtums in Wiesbaden – und ihrer fürstlichen Vorläufer

Hätten die ersten nassauischen Grafen und Fürsten sich nicht ab 1700 in diesen Ort am Rhein verliebt und ein zunächst kleines Refugium gebaut, aus dem über rund 130 Jahre hinweg Schloss, Park und Mosburg erwachsen sollten. wäre all’ das nicht möglich geworden. Die Zusammenhänge sind vielfältig und es ist nicht leicht, diese zu vermitteln, doch angesichts des Themas eine selten gute Gelegenheit es anlassbezogen zu versuchen, ohne den Leser mit Jahreszahlen und Geburtsdaten zu erdrücken. Denn wir haben viele spannende und wunderbare Verbindungen entdeckt.

So bauen die nun folgenden Kapitel und Artikel dazu mal mehr mal weniger geschichtslastig aufeinander auf und sind doch in sich geschlossen. Eine Kutschfahrt durch die Jahrhunderte und Ereignisse, die Wiesbaden bis heute prägen.

Schlossbau über Generationen

Ein Ausflug in die Ahnenforschung – Erben in Folge

Der Biebricher Schlossbau hängt ursächlich mit dem Aufstieg des vormaligen Grafen Georg August Samuel von Nassau-Idstein in den Reichsfürstenstand zusammen – 1688 als Dank für die Türkenabwehr: Eine solche teuer bezahlte Rangerhöhung bedeutete immer auch Verpflichtung zu angemessener Repräsentation. Deshalb genügten die altertümlichen Schlösser im Taunus wie Idstein nicht mehr, es musste eine im Wortsinne „fürstliche“ Anlage in repräsentativer Lage her.

Die frühe Entwicklung vom Gartenhaus in Biebrich zum Schloss – und Wiesbadens zum Verwaltungs- und späteren Regierungssitz der nassauischen Herzöge – hat auch damit zu tun, dass zu etwa gleicher Zeit eine Änderung der Erbfolgeregeln unter den Nassauischen Linien vereinbart wurde, deren Grafschaften und Fürstentümer fortan immer mehr kumulierten. Alles oder nichts für den ältesten männlichen Nachkommen. Bis heute beruht das Großherzogtum Luxemburg und das Niederländische Königshaus von Oranien-Nassau auf diesen Regelungen zweier rund 800 Jahre alter Nassauer Linien nördlich und südlich der Lahn.

Diese Neuregelung war nötig geworden, weil die Realerbteilung, also Erbberechtigung aller Söhne, viele kleine Einheiten unter den jeweils erbberechtigten Prinzen geschaffen hatten. Da die an sich schon nicht große Nassauer Grafschaft bereits weit zersplittert war, gab es um 1700 viele „Nassaus“, jeweils mit dem Zusatznamen ihrer „Hauptstadt“, dem Fürstensitz versehen.

Triathlon der Schlosserbauer

Bei den Erbauern des Biebricher Schlosses blieben jedoch drei Herscherhäuser ohne Söhne, oder solche die alt genug werden konnten, um ihr Erbe anzutreten. Eine Seitenlinie übernahm dann. Zwischen 1700 und 1816 ging das dreimal so. Dann erst sollten Schloß und Park vor ihrer Vollendung stehen.

Vom Haus Nassau-Idstein, dass von 1702 – 1721 die Lage und barocke Grundform des Schlosses vorgab und nebst Rotunde erbaute, über das Haus Nassau-Usingen, welches von 1734 bis 1744 die Seitenflügel hinzufügte, den Residenzsitz nach Wiesbaden verlegte und später die Mosburg beauftragte, hin zur Übernahme durch Nassau-Weilburg ab 1816, die das Schloss um den Treppenaufgang zum Rhein hin ergänzten, und den Park in heutiger Form und Größe anlegten. – Am Gesamtensemble Schloss und Park und an vielen Stellen in Wiesbaden bauten die Nassauischen Fürstenhäuser letztlich gemeinsam – und aufeinander auf. Deshalb haben Wiesbaden diese frühen Entscheidungen auch so geprägt.

Nassauische Armee und Türkenkriege

Mit den Jahrhunderten waren faktisch alle europäischen Königshäuser miteinander verwandt, verschwistert oder verschwägert. Nicht nur vereinzelt führte das zu inzestuösen Exzessen, mit häufigen Konsequenzen nicht in der Erbfolge, sondern in der Erbanlage. Und dennoch, oder auch deshalb führten Brüder Kriege gegeneinander, weil sie in verschiedenen Bündnissen oder aus fehlgeleitetem Standes- und Familienbewusstsein dazu gezwungen schienen. Wir lästern heute, aufgeklärt, gerne über Zwangs- und Zweckheiraten. Dabei baute die komplette europäische Monarchie (und mancher bäuerlicher Reichtum) darauf auf. Meist wurde geheiratet um Kriege zu vermeiden und den eigenen Einfluss zu mehren oder zu erhalten. Oft aber blieb diese Strategie ohne Erfolg und die Fürsten waren gezwungenermaßen oder aus Machtstreben an brutalen Schlachten beteiligt.

Auch die hiesige Armee, zunächst eher kleine Bataillone der Fürstentümer des späteren Herzogtums Nassau, wurde durch Bündnispflichten oder Bedrohungslagen stetig ausgebaut. Nassauische Soldaten waren von der Verteidigung Wiens gegen die Türken im 17. Jahrhundert über die Schlacht bei Waterloo gegen Napoleon an vielen Einsätzen beteiligt und wurden gelegentlich auch gegen Bezahlung verliehen.

Die Rheinseite wurde zur Glaubens- und Standortfrage

Sicher auch nicht ganz ohne politisches Kalkül entschied man sich für die schön gelegene Stelle am Rhein, mit Blick auf das kürfürstliche und katholische Mainz, das rheinseitig schon eine Burg und ein im Bau befindliches Kurfürstliches Schloss, neben dem Mainzer Dom zu bieten hatte. Durch verschiedene weltpolitische Ereignisse im späten 18. und 19. Jahrhundert änderten sich die Verhältnisse ständig, die französischen Revolutionskriege setzten den Ländern zu. Saarbrücken, zuvor Nassauischer Besitz, war bereits an Frankreich verloren. Nassau trat dem Rheinbund bei und verbündete sich so zeitweise mit Napoleon I., der linksrheinisch Mainz und Rheinhessen besetzt hielt und auch die Befestigungen gegenüber errichten ließ. Kastel und Kostheim wurden daher von Nassau an Frankreich (Mainz) als Brückenkopf abgetreten: Sie waren schon zuvor nach Mainz orientiert und vieles heutiger AKK-Problematik hat hier und in den Folgeentwicklungen ihren Ursprung.

Rotunde der Götter

Neben dem sich über rund 40 Jahre hinziehenden Erstausbau des Schlosses zur Residenz wurde das wichtigste und markanteste Element noch unter dem ersten Fürsten Georg August durch Maximilian von Welsch errichtet. Der zylindrische Baukörper, die Rotunde, war von Anfang an als festliches Zentrum geplant. Vom Keller bis unter die Decke verbunden mit altrömischer Mythologie. Acht freistehende Säulen aus dunklem nassauischen Marmor aus den Steinbrüchen bei Villmar formten einen Rundtempel (Monopteros), dessen kreisrunde Kuppel nach dem Vorbild des Pantheons in Rom ein Oberlicht hatte. Von außen betrachtet sieht man aber keine Kuppel, sondern eine hohe Attika die mit römischen Götterfiguren umstellt ist und wie eine Krone wirkt.

Waren die Galerien damals noch reich mit barocken Stuckelementen verziert, so führten Decken- und Wandmalereien zum Zentrum der Rotunde hin. Das 1719 bis 1721 von dem italienischen Maler Luca Antonio Colomba geschaffene üppige Fresko zeigt die Aufnahme des Aeneas‘ in den Olymp und spielt auf die Erhebung von Georg August Samuel in den Fürstenstand im Jahre 1688 an. Wie Aeneas für den Sturz der Titanen belohnt, zum Gott erklärt und Gründervater Roms wurde, so sah sich Georg August, der geholfen hatte Wien vor den Türken zu retten, nun als von den Göttern belohnter Begründer eines neuen Fürstenhauses in Biebrich am Rhein. Und in der Tat, die Fertigstellung der Rotunde muss ein erhabenes Gefühl gewesen sein und ist es noch, wenn man unter dem Fresko steht. Zum Glück konnte es als Kernbestandteil des Schlosses wieder freigelegt werden. Denn 100 Jahre nach Georg Augusts Tod, kurz nach Vollendung seiner Residenz und barocken Ausgestaltung, änderten seine Nachfolger die Geschmäcker und die Götter waren lange übertüncht.

Von der Romantik zum Klassizismus – barocke Schlossentkernung

Das Herzogtum ging 1816 von Nassau-Usingen auf Nassau-Weilburg über. Wilhelm I. setzte die Vorbemühungen zum Ausbau von Wiesbaden als Kurstadt fort. Für seine 1825 früh verstorbene Frau Luise ließ er 1830 den Luisenplatz klassizistisch anlegen. Erste Übergänge zum Historismus zeigten sich erst zaghaft. Die Zeit des Barock aber war endgültig vorbei. Leider fand das auch Wilhelms zweite Frau Prinzessin Pauline von Württemberg. Von 1828 bis 1829 wurde auf ihr Betreiben das ursprünglich barocke Erscheinungsbild im Biebricher Schloss komplett klassizistisch verändert. Insbesondere in und um die Rotunde. Die Putten auf dem Gebälk und die Götterfiguren in den Wandnischen wurden entfernt, die Galerien verändert, das himmlische Deckenfresko übermalt und der Marmorfußboden durch Parkett ersetzt. Das Deckengemälde wurde erst 150 Jahre später, mit der Sanierung des Schlosses um 1980, wieder freigelegt – und erzählt ihre ganz eigene Geschichte zum Erbauer des Schlosses. Da das Fresko glücklicherweise nur mit Leinölfarbe überstrichen war, konnte man diese abwaschen und das Bildnis restaurieren. Bis auf eine Stelle in den Galerien, die mit Vorbauten verdeckt war, hat jedoch kein barocker Stuck den rabiaten Eingriff von Wilhelms Frau überstanden.

 

60 Jahre Herzogtum – Exkurs im Kontext Wiesbadener Stadtentwicklung

1803-1816 Friedrich August von Nassau-Usingen – Wiesbadens Grundsteinleger

Für das nassauische Haus, seit 1803 unter Friedrich August von Nassau-Usingen, bedeutete das Arrangement im Jahr 1806 den Aufstieg zum Herzogtum, geadelt durch Napoleon I. Der Rheinbund zerfiel, der Herzog wechselte rechtzeitig die Seiten und Napoleon erlebte sein Waterloo 1815, bevor Friedrich August ein Jahr später starb. Da seine beiden Söhne das Kindesalter nicht überlebten, war klar, dass die Herzogswürde auf seinen Vetter und Nassau-Weilburg übergehen würde.

Er galt als aufgeklärter und liberaler Herrscher, der durch Reformen wie die Einführung der Pressefreiheit, Beseitigung von Steuerprivilegien des Adels und einer Verfassung einen modernen Staat begründete. Er erweiterte auch den Schlosspark und ließ die Mosburg als persönlichen Rückzugsort errichten. Für Wiesbaden hatte er maßgeblichen Einfluss durch Auswahl der Stadtplaner und Architekten, die den Grundriss der neuen Hauptstadt und das historische Fünfeck formten, und das erste Kurhaus erbauten.


1816-1839 Wilhelm I. von Nassau-Weilburg – Antreiber für Stadtentwicklung

Seine Nachfolge trat 1816 Herzog Wilhelm Georg August Heinrich Belgicus zu Nassau, kurz Wilhelm I., vorzeitig an. Er war im Jahr zuvor persönlich an der Schlacht nassauischer Truppen bei Waterloo beteiligt und hatte mit den Franzosen noch eine Rechnung offen. Denn 1792, noch in Kirchheimbolanden geboren, beendeten wenige Wochen später französische Truppen mit ihrem Einmarsch die dort 400 Jahre währende nassauische Herrschaft und Wilhelms Familie musste nach Biebrich fliehen.

Ironie des Schicksals: Als Baby musste Wilhelm vor den Franzosen fliehen, sein Großonkel Friedrich August schloss 14 Jahre später mit Frankreich und Napoleon einen Pakt, der das Herzogtum begründete und durch Gebietsabtretungen erheblich vergrößerte, und gemeinsam zogen sie neun weitere Jahre später gegen Napoleon in den Krieg und schickten ihn 1815 endgültig nach St. Helena. Zumindest trug die Nassauische Armee, mit ihren im Vergleich zu Preußen bescheidenen Mitteln, nicht unerheblich dazu bei.

Wilhelm kam mit 23 Jahren verfrüht an die Macht. Sein Vater war eigentlich vorgesehen, verstarb aber bei einem Unfall im gleichen Jahr wie Friedrich August. Wilhelm I. gab später der Wilhelmstraße seinen Namen und für ihn wurde 1817 Jahr das Erbprinzenpalais fertiggestellt, die heutige IHK. Zugleich das einzige noch erhaltene klassizistische Gebäude von Christian Zais, dem Urvater Wiesbadener Stadtplanung. Das Erbprinzenpalais brauchte Wilhelm I. als Herzog jedoch nicht mehr und blieb im Biebricher Schloss wohnen. Er baute das Jagdschloss Platte, das Stadtschloss und vollendete den Schlosspark.

 

1839-1866 Adolph Wilhelm Carl August Friedrich von Nassau-Weilburg – Der letzte Herzog

Herzog Adolph hat wohl die dicksten Fußstapfen in Wiesbaden hinterlassen und die emotionalsten. Er war beim Volk sehr beliebt. Er war der letzte nassauische Herzog in Wiesbaden und zog zwei Jahre nach dem Tod seines Vaters 1841 vom Biebricher Schloss in die fertiggestellte neue Residenz, das Stadtschloss, ein. Er heiratet die Nichte des russischen Zaren und verlor sie mit dem Baby im Kindbett. Ihr widmete er die Russische Kapelle, die nach Zustimmung des Zaren aus der Mitgift der jungen Herzogin bezahlt werden konnte. Herzog Adolph verweilte oft am Jagdschloss Platte und nutze im Sommer weiterhin die Biebricher Residenz.

1866 sollten sich frühere Bündnisse unter Herzog Adolph rächen, der, weitere Ironie des Schicksals, erst ein Jahr zuvor zum 50. Jahrestag der Schlacht das Waterloo-Denkmal am Luisenplatz einweihte. Denn obwohl Nassau selbst in den „Deutschen Krieg“ kaum eingegriffen hatte, stand es aus alter Bündnistreue noch an der Seite Österreichs als Preußen den Sieg errang und Nassau annektierte. Beides sind Schlüsselerlebnisse in der Geschichte Biebrichs und Wiesbadens, hat doch Nassaus Glanz erst die Entwicklung zur Kur- und Beamtenstadt eingeleitet und Preußens Gloria diese fortgeführt. In diesem Zeitraum von 1806 bis 1914 wurde Wiesbaden einige Zeit lang zur Stadt mit der höchsten Millionärsdichte in Europa, vermutlich weltweit und brachte das Kapital mit für höchste Baukultur. Am Biebricher Schloss nahm vieles seinen Anfang.

 

Der Park

Zunächst als kleiner Garten mit strengen geometrischen Linien direkt an das Schloß angelegt, wurde der Garten durch Zukäufe von Bauern mehr und mehr zum Park ausgeweitet und vor genau 200 Jahren begann die Umgestaltung zum heutigen Landschaftsgarten, nachdem sich die Geschmäcker gewandelt hatten. Lediglich die geradlinigen Wegführungen von den Flügeln, die Zäune und die „Dicke Allee“ blieben weitgehend aus der frühen Gartenzeit erhalten. Bis zu seinem Tod 1823 widmete sich der Gartengestalter Friedrich Ludwig von Sckell in Wilhelms Auftrag der Umwandlung in einen Landschaftsgarten nach englischem Vorbild und band darin auch die Mosburg neu ein. Kaum war das eine abgeschlossen, widmete sich Wilhelm I. dem nächsten Projekt und beauftragte noch im gleichen Jahr den Hofbaumeister Friedrich Ludwig Schrumpf, in den Taunuswäldern nordwestlich der Stadt, mit der Errichtung eines Jagdschlosses. In der Folge waren zahlreiche prominente Gäste im Jagdschloss Platte zu Besuch, darunter der russische Zar Alexander II., Zarin Maria Alexandrowna und Kaiserin Eugénie von Frankreich.

Jagdschloss Platte in Sichtbeziehung

Durch die nun vom Schloss aus gesehen leicht versetzte Schneise, heute gesäumt von vielen, auch bis zu 200 Jahre alten Baumriesen, sollte der Blick von Terrasse wie Rotunde, über am Ende des Parks künstlich aufgeschüttete Hügel an der Mosburg vorbei gleiten können. Weite und Tiefe gewinnen. Man sollte sich im Hintergrund in den Taunushängen verlieren können, um bei guter Sicht das Jagdschloss Platte mit bloßem Auge ausmachen zu können. Beide wurden zueinander ausgerichtet und die Sichtbeziehungen, bis heute, freigehalten. Wenn man bei Schnee vor dem Jagdschloss Platte über diese Wiesen rodelt, mit Blick über Wiesbaden nach Mainz, dann weiß man nun warum das möglich ist. Vor dem Bau des Schlosses war dort Wald, der den Blick zum Biebricher Schloss störte.

Stadtschloss und Orientierung nach Wiesbaden

Schlag auf Schlag dehnten sich zur gleichen Zeit Villengebiete um das Kureck und Nerotal aus und der Historismus löste den Klassizismus ab. Die Stadt wuchs schnell, auch an Bevölkerung. Ab den 1830er Jahren wollte Wilhelm seinen Sitz vom doch beschwerlichen Weg vom Schloss über die Biebricher Allee direkt nach Wiesbaden verlegen. Er ließ sein Stadtschloss jedoch nicht wie zunächst geplant am Luisenplatz erbauen, sondern wählte dazu die alte nassauische Burg, die schon Jahrhunderte mitten im Zentrum der Menschen lag. Dazu ließ er sie abtragen. Direkt am Marktplatz, „bei de Leut“, sollte das neue Stadtschloss entstehen. Seine Vollendung 1841 sollte Wilhelm I. nicht mehr erleben. Nach ihm wurde das Schloss Biebrich zur Sommerresidenz und war nur noch Zweitwohnsitz der Herzöge. Wilhelm I. war der letzte der Veränderungen an Schloss und Park vornahm.

 

Das Schloss heute

Rotunde und Galerien sind für repräsentative Anlässe so ziemlich das Beste was das Land zu bieten hat und nicht privat zu mieten. Roland Koch nannte es „Hessens Wohnzimmer“ und Generäle werden hier genauso mit einem Zapfenstreich verabschiedet wie Minister begrüßt.

Unternehmen, die Stadt und Vereine können Rotunde, Galerien oder bestimmte Räume anmieten, wobei Vereine oder Ortsbeiräte moderatere Gebühren zahlen als Firmen oder das Land Hessen, wenn sie das Schloss für Empfänge buchen.

Zahlen zum Park

  • Parkgröße: ca. 350.000 qm
  • Baumbestandene Fläche: ca. 45.000 qm, ca. 3.000 Einzelbäume
  • Gewässerfläche: ca. 3.600 qm
  • Wege- und Platzflächen: ca. 27.890 qm
  • Rasen- und Wiesenflächen: ca.226.120 qm
  • Rabattenflächen:ca. 50 qm
  • Kübelpflanzen:ca. 300 Stück
  • Besucherzahlen: geschätzt ca. 400.000 pro Jahr

Ämter und Einrichtungen im Schloss

Schlossherr vor Ort ist der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen der im Auftrag der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten mit Sitz in Bad Homburg auch die Mosburg und den Park mit 6 Gärtnern und einem Objektleiter ganzjährig betreuen.

Stimmig untergebracht im Westflügel ist auch das Landesamt für Denkmalpflege, deren Unterabteilung für Archäologie die ersten beiden Geschosse des Ostflügels belegt. Darüber haben mit der Filmbewertungsstelle (FBW) und dem Kuratorium des jungen deutschen Films zwei Filminstitutionen ihren Büros im Dachgeschoss. Prädikat: Besonders wertvoll.

DANKSAGUNG

Wir bedanken uns für einen Quell an Informationen und Bildmaterial zu diesem und weiteren Artikeln rund um das Schloss bei Meinrad von Engelberg, der Fa. Heckel Musikinstrumentebau und dem Heimatmuseum Biebrich, dem Schott-Musikverlag in Mainz, dem hessischen Landesdenkmalamt und dem Landesbetrieb Immobilen und Mobilität, der Filmbewertungsstelle Wiesbaden, dem Stadtarchiv und Staatsarchiv und vielen Ungenannten, die uns mit Hinweisen und Annekdoten unterstützt haben.

 

Im wunderschönen Monat Mai: Frühjahrskonzert

in der Rotunde des Biebricher Schlosses

Am 4. Mai 2017 um 19:30 Uhr präsentieren Studierende der Wiesbadener Musikakademie im historischen Festsaal des Biebricher Schlosses erneut ein abwechslungsreiches Programm mit Werken alter Meister. Das Programm des Frühjahrskonzerts steht unter dem Motto „Im wunderschönen Monat Mai“.

Ziel der beliebten Rotundenkonzerte ist es seit vielen Jahren, den Bürgerinnen und Bürgern Gelegenheit zu geben, die historischen Räumlichkeiten des Biebricher Schlosses kostenfrei zu erleben. Veranstalter sind der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) und das Landesamt für Denkmalpflege Hessen.

Einlass ab 19:00 Uhr.

Um eine Spende für die Musiker und Musikerinnen wird gebeten.

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