Peter Schilbach

Jazzmap: Peter Schilbach bringt Wiesbaden den Jazz

Wir sitzen zusammen und trinken wahlweise Kaffee, Bier und Eierlikör. Wir, das sind Dr. Peter Schilbach, seine Frau Edda und ich. In ihrem Reisegepäck für mich haben sie die Jazz-Geschichte der letzten 60 Jahre: Miles Davis, John Coltrane, Duke Ellington, die Brecker Brothers und viele mehr. Seit mehr als 25 Jahren veranstaltet das Ehepaar europaweit Konzerte des Standard-Jazz.

Als Schüler in Hamburg hat Schilbach der Jazz in den 50er-Jahren gepackt und seitdem nicht mehr losgelassen. Charly Parker und der Bebop hatten gerade ihren Höhepunkt erreicht. Parker hat er nicht mehr kennengelernt, aber mit Dizzy Gillespie später in New York an der Bar zusammen getrunken und in den 1990er Jahren auch Konzerte für ihn in Europa organisiert.

Nach dem Studium in Aachen hat er seine erste Karriere in der Chemiebranche gemacht, möglichst für amerikanische Firmen. Denn in einer Zeit, als Fliegen noch ein Privileg war, musste er so immer wieder in die USA jetten, um der jeweiligen Firmenzentrale einen Besuch abzustatten. Auf dem Rückweg machte er wenn möglich einen Abstecher an die Orte der US-amerikanischen Jazz-Szene. Urlaub, das waren für ihn seit den 1960er Jahren die Nächte in den New Yorker Jazz-Clubs, wo er bald als der Jazz-Verrückte aus Deutschland bekannt war. Nacht für Nacht muss er dort an den Theken gelehnt haben, um dann wieder für Monate von der Bildfläche zu verschwinden. Hier entstanden im Laufe der Zeit viele Bekanntschaften mit zum Teil illustren Trinkgefährten wie Pharoah Sanders, Herbie Hancock, Steve Swallow, Chick Corea und anderen. „Die ganz großen Namen waren und sind natürlich an Verträge gebunden, aber Herbie wäre jederzeit gerne mit mir auf Tour gegangen, wenn es möglich gewesen wäre“, so Schilbach.

In den 1960er und 1970er Jahren entstanden auch die Freundschaften, die heute die Basis für seine Konzerte sind. Besonders hervorzuheben ist dabei Al Foster, der über 17 Jahre lang der Schlagzeuger von Miles Davis war. Kein Musiker hat es länger mit Miles ausgehalten. Mit ihm ist Schilbach seit vielen Jahren eng verbunden und die Konzerte, die Foster auch aufgrund dieser Verbundenheit immer wieder in Wiesbaden gibt, zählen zu den Highlights der regelmäßigen Darbietungen, die die Musiker und Gruppen immer wieder in ihre Touren einflechten. Seit fünf Jahren finden diese nach jahrelanger Odyssee durch verschiedene Lokationen übrigens in der Camera, der Kantine des Geländes Unter den Eichen statt.

Aber wie wird aus einem erfolgreichen Manager aus der Chemiebranche ein Jazz-Impresario, Mäzen und Konzertveranstalter? „Das war Edda, meine zweite Ehefrau.“ Edda fährt eine rosafarbene DeuxChevaux (Ente) und besitzt eine klassische Ausbildung als Pianistin, sie malt farbenprächige Bilder und trägt ebensolche Kleider. Sie ist der quirlige, flippige und äußerst kommunikative Gegenpart zum Hanseaten Schilbach, dessen scheinbar unerschütterliche Ruhe sicher eine absolut notwendige Voraussetzung für den anstrengenden Job ist, den er sich ausgesucht hat.

Als mich Ende der 1980er Jahre mein Chef ärgerte, sagte Edda zu mir: „Lass uns doch eine Jazz-Konzertagentur gründen.“ Wir wussten nicht, auf was wir uns da eingelassen hatten, aber seit 1989 gibt es jetzt Jazzmap! Map steht für Management Agentur Promotion.“ Seit fünf Jahren bereits in der Camera. Über Jahre suchten die beiden einen geeigneten und dauerhaften Veranstaltungsort, das Café Cicero, der Tennisclub WTHC oder der Musikpalast in Wiesbaden waren nur einige Stationen. Geld verdient man dabei natürlich nicht, aber die Augen leuchten, wenn Schilbach von seinen Tourneen mit den Größen wie Sonny Rollins durch ganz Europa berichtet. Und in der Tat hat der Wahlwiesbadener die Großen des Jazz durch ganz Europa begleitet und tut es noch. Dabei fährt er den Tourbus auch auf längeren Strecken noch eigenhändig, während die Musiker fliegen. Um einen jungen wilden Musiker, der in der Anfangszeit sein Tournee-Lager bei Schillbachs zuhause aufgeschlagen hatte, ranken sich ebenso hübsche Anekdoten wie um die Band, deren Bassist seinen Pass verloren hatte.

Bis zu zehn Tourneen durch ganz Europa sind es jedes Jahr, die er organisiert und als Tourmanager begleitet. Es gibt so gut wie keinen Fleck auf der Jazz-Konzertlandschaft Europas, den er nicht schon bespielt hat. Mittlerweile ist er auch als künstlerischer Berater z. B. beim Jazzfest in Novisad gefragt.

„Was ist eigentlich der Unterschied zwischen früher und heute?“ frage ich ihn zum Abschluss. Die Ausbildung, findet Schildbach. „Ein Wynton Marsalis kann im selben Jahr den Grammy als Jazz- und als klassischer Trompeter gewinnen“. Sowieso hält Schilbach es für gut, wenn klassische Musik Jazz-Musikern hilft, ein Publikum zu finden. „Und wie geht es weiter mit dem Jazz in Wiesbaden?“ – „Edda und ich, wir werden weitermachen – immer weitermachen. Die Musiker sind ja auch meist nicht mehr die Jüngsten. Und meist kommt ja auch der Erfolg im Jazz mit dem Altern.“ Gute Aussichten für Wiesbaden:

Am 09.04.2015 wird der Sänger Kevin Mahogany mit Quartett und am 18.05.2015 das Steve Grossman Quartet aufspielen.
Wer ab jetzt informiert und eingeladen sein möchte, lässt sich in den Verteiler aufnehmen: pschilbach@jazzmap.de

Schreibe einen Kommentar