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Interview zur CityBahn

Das lilienjournal führte seit Februar diesen Jahres mehrere Gespräche mit dem Planungsverantwortlichen Hermann Zemlin. Die wesentlichen Fragen verdichten wir hier in einem Interview.

Professor Dr. Hermann Zemlin (76) war lange Zeit Chef im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr und den Stadtwerken Wuppertal. Er war Ministerialdirigent im Verkehrsministerium von NRW und im Bundesverkehrsministerium und hat eine Honorarprofessur an der Uni Karlsruhe.

Zemlin kam Anfang 2014 als Change-Manager zu ESWE-Verkehr, um die städtischen Gesellschaften WI-Bus und ESWE-Verkehr zusammenzuführen. Mit Wiederaufnahme der Planungen für eine Straßenbahn wurde er in die Geschäftsführung berufen und steuert maßgeblich dieses Projekt.

Herr Professor Zemlin, welchen Hauptvorteil sehen Sie in der Anbindung nach Mainz im Vergleich zu früheren Stadtbahnplanungen?

Wenn wir von Mainz aus bauen und die ersten Gleise liegen schon in Kastel oder Amöneburg, dann können wir von da aus in verschiedenen Zwischenzuständen schon in Betrieb gehen, denn der Brückenschlag nach Mainz soll ja als Erstes erfolgen.

Wir setzen ja Zweirichtungsfahrzeuge ein. Man legt, auch im Baufortschritt, einfach zwischen die beiden Schienen eine Weiche und fährt wieder zurück. Vom Brückenkopf beginnend, egal welche Route nun letztlich gewählt wird, ist Mainz direkt angeschlossen und damit dessen gesamtes Streckennetz. Die Bahn kann also recht schnell ersten Betrieb aufnehmen, und Zug um Zug kommen weitere, sich direkt anschließende Abschnitte hinzu, von denen jeder gleich nach seiner Fertigstellung befahren wird, wodurch es keine lange unbefahrenen Baustellen gibt.

Wie ist der Stand der Planung?

Momentan befindet sich das Projekt CityBahn in der Vorplanung, die im Dezember 2017 beendet sein wird. Im Januar/Februar 2018 werden die untersuchten Alternativen in der Bürgerbeteiligung diskutiert. In einem offenen und transparenten Dialog können sie dann ihre Meinung zu Einzelheiten der Vorplanung mit möglichen Varianten äußern. Unter Beachtung der Ergebnisse dieser Diskussionen wird die von der Politik zu beschließende Trasse festgelegt. Diese Trasse wird dann für die Entwurfsplanung genutzt, die dann die Streckenführung und Haltepunkte in allen Details festlegt.

Wo wird die CityBahn entlangfahren? Gibt es bereits eine festgelegte Streckenführung?

Momentan laufen die Vorplanungen zur CityBahn. Die beauftragten Planer untersuchen in einem Korridor zwischen der Theodor-Heuss-Brücke und der Hochschule Rhein-Main, welche Streckenvarianten technisch umsetzbar und wirtschaftlich sind. Einige Meilensteine in der Planung der Strecke gelten heute schon als sicher: Die Hochschule Rhein-Main, die Wiesbadener City, der Hauptbahnhof und die Theodor-Heuss-Brücke sind Fixpunkte im Streckenverlauf – für die dazwischenliegenden Korridore prüfen die Planer mögliche Varianten. Insbesondere zwischen Kastel und dem Wiesbadener Hauptbahnhof werden momentan Alternativen intensiv untersucht. Dabei ermitteln die Ingenieure die Grundlagen der Planung und skizzieren das Konzept.

Mit welchem Baubeginn rechnen Sie?

Die Vorplanung aus dem vergangenen Jahr, als Machbarkeitsanalyse, hat sowohl Bund als auch Land davon überzeugt, dass die Stadt nicht erst die Nutzen-Kosten-Untersuchung abwarten muss und dann erst mit der Vorplanung beginnen kann, sondern dass wir das parallel machen können. Dadurch gibt es einen großen Zeitgewinn.

Wenn wir damit Anfang nächsten Jahres fertig sind und in die Entwurfsplanung gehen, also in die Details und maßstabsgerechte Darstellung der Planungsvarianten, sind die Genehmigungsbehörden bereit, gleich in jeden Planungsschritt eingebunden zu werden und nicht mit ihrer Prüfung zu warten, bis die ganze Planung fertig ist, wodurch sich ebenfalls wieder die Planungszeiten verkürzen. Dadurch bin ich schon optimistisch, dass wir spätestens 2020 mit der Planung fertig sind und mit den Bauausschreibungen beginnen können.

Ist die CityBahn alternativlos und wenn ja, warum?

Im November ist ein weiterer Gerichtstermin wegen der Klage der Umwelthilfe e. V. angesetzt. Diese verklagt im ganzen Bundesgebiet Städte, die vor allem die Stickoxidwerte überschreiten. Und Wiesbaden tut dies aufgrund der Kessellage regelmäßig erheblich. Wenn in diesen „Güteterminen“ nicht durch die beklagte Stadt dargelegt werden kann, dass sie entscheidende Anstrengungen unternimmt, um diese Werte zu senken, drohen sofortige Dieselfahrverbote. Zu diesen entscheidenden Anstrengungen gehört unverzichtbar der Bau der CityBahn, ebenso wie der schnelle Ersatz aller Dieselbusse durch Elektrobusse. Das sieht auch das Land Hessen so und hat deshalb bereits angekündigt, dass es sowohl den Bau der CityBahn wie auch den Austausch der Busse im Luftreinhalteplan für Wiesbaden fordern und verankern wird.

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