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Ein Stück Heimatliebe – Welle der Solidarität für die Fasanerie

Die Wiesbadener Stadtgesellschaft zeigt sich derzeit von ihrer besten Seite. Nach der Betroffenheit über die Sturmschäden Anfang August, vor allem im Natur- und Pflanzenpark Fasanerie, brach eine gewaltige Welle an Hilfsangeboten los, die bis in den Herbst anhält. Verdientermaßen, für dieses immer noch kostenlose Freizeit- wie Lernangebot so nah an der Stadt und doch mitten im Wald. Bürger, Ämter, städtische Gesellschaften und Firmen zeigten ihre Solidarität mit der Fasanerie und packten bei Aufbau mit an oder spendeten Geld. Von Mario Bohrmann

Es war die Nacht auf den 1. August. Ein schweres Sommergewitter brachte heftigen Sturm mit sich und schob im Zick-Zack-Kurs eine sogenannte Böenwalze vor sich her, die sich durch den Rheingau-Taunus-Kreis und Wiesbaden fraß. Die tornadoartigen Winde hinterließen Schneisen der Verwüstung, vor allem im Stadtwald zwischen Eiserner Hand und Platte, also mitten durch die Fasanerie.

Überall im Stadtgebiet wehte die Gewitterfront Laub von den Bäumen, riss Äste ab und warf ganze Bäume um. Die Jahreszeit war das Problem: Im Herbst, mit abgeworfenen Blättern, bieten gesunde Bäume den Böen wenig Widerstand; im Sommer und bei starken Fallwinden, wie an diesem frühen Morgen, lastet plötzlich ein Hebel auf kleineren Gebieten, der selbst 250 Jahre alte Eichen wie Streichhölzer umknicken lässt. So geschah es auch in der Fasanerie: Ein umfallender Baumriese erwischte den Zaun des Bärengeheges und das Vordach des Bärenhauses. Andere prallten auf Luchs- und Wildschweingehege. Hier wurde noch dazu der Besuchersteg durch mehrere umgestürzte Bäume stark beschädigt. Die Aufzählung ließe sich noch um Dutzende Einzelpositionen erweitern, und schätzte man die Schäden anfangs noch auf einen mittleren fünfstelligen Betrag, wird er nun eher im niedrigen, aber doch deutlich sechsstelligen Bereich angesiedelt.

Erste Hilfe und städtische Manpower als Retter in der Not

Ute Kilian, die langjährige Leiterin der Fasanerie als Teil des Grünflächenamts, ist gelernte Forstwirtin und kennt natürlich solche „Windwurfschäden“, aber so etwas hat sie noch nicht erlebt. Das Lilienjournal trifft sich Ende September mit Parkleitung und den Vorständen des Fördervereins der Fasanerie in deren Seminarräumen und erfährt so vieles, was sich im späteren Verlauf immer mehr zum Titelthema entwickeln musste. Weil dieses übergreifende Mitgefühl und die Solidarität für eine öffentliche Einrichtung bislang einfach einmalig ist. Aber gerne wiederholt werden darf.

Der kommissarische Leiter des Grünflächenamts, Markus Patsch, rief gleich am frühen Morgen nach dem Sturm im Tierpark an und ahnte bereits: Das konnte nicht glimpflich ausgegangen sein. Städtische Grünflächenamtsmitarbeiter, Feuerwehren und alles, was eine Kettensäge bedienen konnte, war bereits überall im Stadtgebiet im Einsatz, um Straßen freizuräumen und drohende Gefahren im öffentlichen Raum zu beseitigen. Hier waren keine Kapazitäten zur Beseitigung von Schäden innerhalb eines umfriedeten Parks zu erwarten, den man ja für die Öffentlichkeit einfach schließen konnte – und auch musste. An dieser Stelle zeigte es sich als großen Vorteil, dass Patsch im Hauptberuf einer der Geschäftsführer der Entsorgungsbetriebe (ELW) ist. Auf seine Frage an die Tierparkleitung: „Was braucht Ihr?“, antwortete Kilian: „Menschen und Maschinen.“ Eine Stunde später stand eine kleine Armada der ELW, auch mit schwerem Räumgerät, vor der Tür. Forstunternehmen gesellten sich in den Tagen darauf hinzu. Ohne professionelles Gerät und mobile Kräne wären die Mitarbeiter der Fasanerie bei Dutzenden umgestürzter Baumriesen und Hunderten herabgerissener Ästen in Armdicke wochenlang beschäftigt, vor allem vollkommen überfordert gewesen. Der Park hätte lange geschlossen bleiben müssen, so waren es nur zehn Tage.

Helfertage und Solidarität

Es ging somit schon am Tag eins los, und mehre Helfertage städtischer Mitarbeiter und ehrenamtlicher Helfer des Fördervereins der Fasanerie folgten. Da die Tierparkleitung die Philosophie vertritt „Wer schon ehrenamtlich und freiwillig für uns arbeitet, der soll auch von uns versorgt werden“ (und in diesen ersten Tagen ging es ja vor allem um robustes Anpacken), musste auch Heiko Freisheimer, Pächter der Gastronomie im Jagschloss Fasanerie, einspringen. Er wurde damit beauftragt, in den nächsten drei Tagen die zahlreichen Helfer mit einem Mittagessen zu versorgen – und sponserte selbst zwei davon. Conny Kempken und Marc Paffenholz vom Förderverein wie auch der Leiterin des Tierparks, Ute Kilian, ist es wichtig, allen Beteiligten, Spendern und Helfern zu danken, denn sie alle haben in einer eigentlich hoffnungslosen Situation gemeinsam Großartiges geleistet. Die Tierparkmitarbeiter betrachten den Einsatz auch als Wertschätzung für ihre Arbeit und den Tierpark Fasanerie, sie fühlten sich enorm motiviert und ermutigt. Was der Autor als gutes Zeichen für eine doch noch solidarische Stadtgesellschaft ansieht – gerade, wenn es darauf ankommt.

Denn die parallel anrollende breite Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung zeigte sich eindrücklich in sozialen Netzwerken und Dutzenden kleinen wie großen Spendenaktionen zugunsten der Fasanerie, die in dem großen Benefiztag mit Tausenden Besuchern am 1. Oktober ihren vorläufigen Höhepunkt fanden. Wir gehen später in Details der vielen bunten Ideen und Aktionen im August und September.

Perpetuum mobile des Ansporns

In solchen Momenten zeigen sich das Internet und breite, bunte Kommunikationskanäle von ihrer guten Seite und ermöglichen große Synergien. Auf der größten Wiesbadener Plattform innerhalb Facebooks, der Gruppe „Lust auf Wiesbaden“, gingen die Einträge und Kommentare, Vereinbarungen von Aktionen und Solidaritätsbekundungen binnen weniger Tage in die Hunderte, darunter auch Dutzende direkte Hilfsangebote Wiesbadener Bürger, in der Fasanerie mit anzupacken. Diese Angebote konnte die Fasanerie aus versicherungstechnischen Gründen leider nicht annehmen. Wo sonst im Schutze der Virtualität wie Anonymität gerne leidenschaftlich gestritten und auch mal unter der Gürtellinie geschimpft wird, waren sich hier alle einig. Da muss geholfen werden. Wer da noch blöde Sprüche machte, war entweder ein „Troll“ (Provokateur) oder durchschaute nicht annähernd die Dimensionen der Schäden und die Bedeutung, die der Naturpark für Wiesbaden und die Region hat.

Heulen um die Wölfin

Große Betroffenheit herrschte über Wiesbaden hinaus auch über den Tod der zwölfjährigen Wölfin. Sie wurde vermutlich von einem Ast erschlagen, schleppte sie sich noch einige Meter weiter, bevor sie tot zusammenbrach. Es war zuletzt nur noch ein Paar Wölfe, das in der Fasanerie zu Hause war und sich eines der größten Gehege im Park mit den Bären teilte. Durchaus gewünschter Wolfsnachwuchs wollte sich aber nicht einstellen. Den Beziehungen der Fördervereinsvorsitzenden Conny Kempken zu anderen Wildparks ist es zu verdanken, dass bereits im September eine neue Wölfin einziehen konnte – mit zwei Jahren im besten Alter. Isolde ist ihr Name, und sie zeigt sich neugierig und offen, ist aber keine Handaufzucht und somit bestens geeignet, hier naturnah mit ihrem neuen Partner zu leben. In diesem Punkt gab es also bereits ein Happy End.

Die Tage und Wochen danach

Allüberall wurden in den ersten Wochen Spendendosen platziert, Aktionen geplant und beworben, auch Versteigerungen zugunsten des Fördervereins durchgeführt. Vor allem städtische Gesellschaften brachten ihre Manpower und Mittel ein. All das war und ist immer noch bitter nötig, diese große Hilfsbereitschaft von allen Seiten war aber nicht zu erwarten.

ESWE-Versorgung spendete bereits zwei Tage nach dem Unwetter 5.000 Euro Soforthilfe und zeigte sich, wie die ELW und weitere städtische Betriebe und Bauhöfe, als kollegialer Partner innerhalb des Kranzes städtischer Gesellschaften, deren Mitarbeiter letztlich alle städtische Bedienstete sind. Sie und viele andere Stellen in der Verwaltung leisteten hier ebenso solidarische Amtshilfe wie die Fasanerieliebhaber sich betroffen und großzügig zeigten.

Azubis am Elektrozaun

Es war ein weiter Segen vor allem für die Fasaneriemitarbeiter, dass ESWE-Versorgung zehn Azubis zur Reparatur des Elektrozauns am Wildschweingehege anbot. Diese konnten so Praxis auch im Außeneinsatz sammeln und waren allesamt mit Eifer und Freude dabei. Über 250 Metern Länge wurden der alte und nun endgültig zerstörte Elektrozaun erneuert, 750 Meter Draht über drei Ebenen neu eingezogen und abgesichert, während im Hintergrund die Wildsauen schmatzend zuschauten.

Tierpflegemeister Klaus Schüßler freute sich über die tatkräftige Unterstützung drei Wochen nach dem Sturm: „Es wird jetzt Zeit, denn inzwischen haben die Wildschweine durchaus gemerkt, dass kein Strom drauf ist, und fangen an zu wühlen.“ Für die insgesamt 21 Mitarbeiter der Fasanerie wäre dies zusätzlich zu ihren sonstigen Aufgaben kaum so schnell zu erledigen gewesen. Für die herangehenden Elektroniker wird es jedoch sicher eine bleibende Erinnerung an einen außergewöhnlichen Einsatz sein.

Noch ein langer Weg zu gutem Zustand

Die Schäden sind noch lange nicht beseitigt, es wird noch Monate dauern, bis alles wieder in gutem Zustand, das Bärenhaus repariert und der Besuchersteg durch das Wildschweingehege wieder begehbar ist. Da einige der betroffenen Parkeinrichtungen ohnehin in den nächsten Jahren zur Sanierung oder Verbesserung anstehen, je nach Etatlage, steht nun auch die Frage im Raum: „Was flickt man nur und was macht man gleich richtig?“ Auch die Netze der Fasanenvoliere sind beschädigt und teils nur notdürftig instandgesetzt, hier wäre es schön, man könnte sie gleich mit robusten Drahtnetzen erneuern. Der Besuchersteg im Wildschweingehege war ohnehin für das kommende Jahr zur Erneuerung und Erweiterung vorgesehen, und auch diese Maßnahme würde man nun gerne vorziehen, bevor für viel Geld zunächst nur repariert wird. Bis der Park mit allem durch ist, wird es noch Monate dauern. Der größte Einzelposten ist dabei das Vordach des Bärenhauses, das der Sturm an dieser Stelle und entlang des Zauns gleich mehrfach getroffen hat. Massive Stahlzäune wurden durch herabfallende Äste und umstürzende Bäume über weite Strecken wie ein Stück Papier regerecht zerknüllt. Die Kosten allein für Holz- und Metallarbeiten rund ums Bärenhaus liegen im fünftstelligen Bereich, und diese Arbeiten sind sofort zwingend nötig. Luchs- und Dachsgehege konnten bereits repariert werden.

Es hatte auch sein Gutes

Ute Kilian kann dem ganzen Geschehen, vor allem der gezeigten Wertschätzung, tatsächlich auch viel Positives abgewinnen. Auch vielen Tieren brachte der Schrecken der Gewitternacht einen unverhofften Gewinn. Für die Bären waren die umgeworfenen Bäume ein tolles Spielobjekt, sie konnten sich das Fell auch mal der Länge nach „schubbern“; im Wildschweingehege hatten entwurzelte Bäume zugleich den Boden aufgewühlt, so dass Eber, Bachen und Frischlinge an ganz neue Wurm- und Käferreviere herankamen. Ute Kilian nennt es, abseits der katastrophalen Schäden an den Zäunen und Anlagen, wahres „Enrichment“ – eine Be- und Anreicherung durch den Sturm in so manchem Gehege. Entfernte und belaubte Äste wurden während der Aufräumarbeiten Schafen und Hirschen als willkommener Snack angeboten und konnten Tage später, abgeäst, wieder entnommen und zu Kleinholz verarbeitet werden. Ein wenig Win-win auch für die Tiere im großen Verlust für den Park.

 

Tierparkleiterin Ute Kilian hält fest:

„Von Anfang an war es eine Wahnsinnsatmosphäre der Solidarität und Hilfsbereitschaft – und auch Ausdruck der Wertschätzung für die Fasanerie. Die Unwetterschäden waren ein Auslöser, der die Fasanerie wieder mehr in den Fokus rückte. Wir sind eigentlich eh immer da, die Leute kommen auch ganz gerne her, aber, dieser Aha-Effekt – „Oh, da ist was passiert, die ist uns ja wichtig“ – das ist natürlich für uns ganz toll. Es ist ein Auslöser gewesen, der weit über die Unwetterschäden hinaus reicht. Uns, das sind die Mitarbeiter der Fasanerie wie auch der Förderverein. Wir sind in jetzt in über 20-jähriger Existenz des Vereins zusammengewachsen. Ohne den Förderverein würde es uns so nicht geben, es würde hier ganz anders aussehen. Und das Unwetter hat uns nun auch wieder gezeigt, dass wir diese Belastungsprobe gut überstanden haben und einfach Hand in Hand gehen.“

 

Das bisschen Haushalt – ein Drahtseilakt zwischen Überleben und Besserwerden

Der städtische Haushalt für die nächsten zwei Jahre wird gerade verhandelt, und im vorläufigen Plan sind zumindest Mittel für eine weitere Entwicklung der Fasanerie angemeldet. Sie werden durch den seit diesem Frühjahr zuständigen grünen Umweltdezernenten Andreas Kowol vertreten. Dieser „Masterplan“ beschreibt Wünsche der Fasanerie, Budget- und Zeitplan sind jedoch nicht durch den Haushalt gedeckt und derzeit auch in den Haushaltsanmeldungen. Die Fasanerie schreibt seit Jahren seine Entwicklungskonzepte fort, um die Attraktivität des Parks zu steigern und das Tierwohl zu verbessern. Die Kostenschätzungen sind jedoch weitaus höher, als das, was normalerweise und im vorgesehenen Haushalt bewilligt wird. In den aktuellen Beratungen hofft man noch auf einen Nachschlag, sicher müsste die Bereitschaft dazu auch unter allen Parteien im Stadtparlament gegeben sein, aber rechnen kann man angesichts hart umkämpfter Etats nicht mit wirklich großen Mitteln.

Also versucht der Park möglichst viel in Eigenleistung und gemeinsam mit dem Förderverein umzusetzen, da die Wunschentwicklung des Parks ohne Fremdmittel schlicht nicht möglich ist. Im Park arbeiten zwei Schreiner, die viele Reparaturen und Neuerrichtungen selbst ausführen können, aber deren Kräfte sind endlich, und das Material verschlingt viel Geld. Man hat es hier ja alleine schon mit vielen Kilometern Zaun und Tausenden Holzpfosten zu tun. Von denen ständig welche erneuert werden müssen. Um die Greifvogelvolieren und weitere Projekte anzugehen, braucht es Extramittel jeweils im fünf- bis sechsstelligen Bereich. So wird zwischen Parkleitung und Förderverein auch über Spendenaktionen beraten, um die ein oder andere geplante Maßnahme doch noch nach Projektwunsch bereits in den nächsten Jahren umzusetzen. Zum Nutzen aller Wiesbadener und sonstiger Gäste, kostenfrei und attraktiv.

Ohne den Förderverein wäre alles nichts

Dass (Tierpark-)Leben ist leider auch für die Fasanerie kein Wunschkonzert, und es ist vor allem der wichtigen Arbeit des Fördervereins Fasanerie zu verdanken, der seit 22 Jahren einen erheblichen Beitrag dazu leistet, dass nach wie vor kein Eintritt genommen werden muss und sich die Fasanerie vom über Jahrzehnte vernachlässigten Stiefkind, unansehnlich und mit hohem Instandsetzungsstau, hin zu einem modernen, besucherfreundlichen Freizeitpark mit tierischen Begegnungsmöglichkeiten und zahlreichen Angeboten moderner Naturpädagogik über Tier- und Pflanzenwelt entwickelt hat. 11.500 Besucher nahmen im vergangenen Jahr an naturpädagogischen Vorträgen und Workshops teil, 250.000 bis 300.000 Gäste aus Wiesbaden und einem Umkreis von rund 100 Kilometern kamen insgesamt in den Tierpark.

Mehr als acht Millionen Euro haben die Mitglieder, Spender und eigenen Aktionen in den letzten 22 Jahren zum Erhalt und Ausbau des Parks beigetragen und viele Projekte erst ermöglicht, die der städtische Etat und gelegentlich vom Stadtparlament genehmigte Sondermaßnahmen einfach nicht hergeben. Für die laufenden Betriebskosten und Gehälter, Instandsetzungen und kleinere Maßnahmen reichen die städtischen Haushaltsmittel von rund einer Million Euro so gerade, aber Neubauprojekte und solche außerordentlichen Einschläge wie in diesem Sommer könnte der Fasaneriebetrieb ohne seinen Förderverein nicht stemmen.

Kleine und große Mäzene gesucht

Das umfassende Entwicklungskonzept der Fasanerie für die nächsten Jahre hat einen Umfang von 80 Seiten. Förderverein und Parkleitung erarbeiten daraus auch gemeinsam Projektbeschreibungen, um für konkrete und auch sachbezogene Spenden zu werben. So gelang es vor drei Jahren mit der Vorstellung des gewünschten neuen Fuchs-Dachs-Geheges, den Privatmann und schon oft als sozial-karitativen Mäzen aufgefallenen Alfred Weigle zu gewinnen, den Gehegebau für insgesamt 378.000 Euro zu mehr als drei Viertel zu finanzieren.

Ein „außergewöhnliches Maß bürgerschaftlichen Engagements, von der nicht nur die Fasanerie und die dortigen Tiere, sondern auch die vielen Besucher profitieren werden“, konstatierte Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU), damals auch für das Grünflächenamt verantwortlich, nach der Zusage im Mai 2014 dem Spender Alfred Weigle und seiner Lebensgefährtin Heidemarie Utsch. Durch dessen großzügige Beteiligung fiel es dann leichter, die Restmittel hälftig aus städtischem Haushalt und durch Förderverein und Fasanerie aufzubringen.

Genau vor einem Jahr wurde die moderne neue Anlage für Reineke Fuchs und die Dachsbrüder eingeweiht. Ein beispielgebendes Gemeinschaftsprojekt aus Spendenbereitschaft für größere oder kleinere Einzelmaßnahmen und Eigenleistung von Stadt, Fasanerie und Förderverein.

Kurzer Exkurs: Auch wenn man über das Thema Wilhelmstraße 1 und die unwürdige Beerdigung langjähriger Planungen für ein Stadtmuseum breit diskutieren kann und sicher nicht jedermann zufrieden ist über das nun dort geplante Kunstmuseum, kann auch das vielleicht ein Leuchtturmprojekt für die Wohlhabenden dieser Gesellschaft werden, um dieser Stadt etwas zurückzugeben oder einfach der Gesellschaft und sich selbst etwas zu schenken. Solange Stadt und Gesellschaft Vorteile davon haben, sollten selbstgesetzte Denkmäler wie auch Überzeugungstaten willkommen sein. Exkurs Ende.

Auch zahlreiche Projekte der Fasanerie stehen zur Beteiligung offen, was auch mit normalem Geldbeutel und jeder Spende oder Tierpatenschaft, jedem Besuch und Tierfutterkauf leicht möglich ist.

Ehrenamtliches Engagement und politische Rückendeckung

Nicht jeder Besucher weiß, dass auch ein Besuch der Gastronomie im Jagdschloss indirekt den Förderverein dabei unterstützt, die Mittel für die Fasanerie und freien Eintritt zu sichern. Stadt und Förderverein haben das erste Jagdschloss der Nassauischen Fürsten aus dem 18. Jahrhundert und die gegenüber liegende Scheune vor einigen Jahren mit Millionenaufwand kernsaniert, der Förderverein hat hohe Schulden aufgenommen, dafür überließ ihm aber die Stadt die Gebäude in Erbpacht auf 99 Jahre. So kann der Verein aus den Erträgen der Vermietung des Jagdschlosses und des eigenen Ladens in der früheren Scheune Einnahmen erzielen – falls die Besucher weiter zahlreich kommen. Diese Überlassung der Stadt zeigt einerseits die Überzeugung der politisch Verantwortlichen von der Wichtigkeit des Erhalts der Fasanerie, andererseits des Vertrauens, das sie in den Förderverein setzen, der letztlich von sich verantwortlich fühlenden Stadtpolitikern ins Leben gerufen wurde.

Gründungsvater Wilfried Ries

Als Kosten und Sanierungsstau überhandnahmen und der 1955 wiedereröffnete Tierpark drohte, erstmals Eintritt nehmen zu müssen, weil die städtischen Kassen Mitte der 90er-Jahre chronisch klamm waren, ergriff der SPD-Stadtverordnete Wilfried Ries, Vorsitzender des Umweltausschusses, die Initiative, gründete den Förderverein und stand ihm bis zu seinem Tod 2002 vor. Seinen Namen trägt nun der Teil der Straße, der zwischen Aar- und Lahnstraße durch den Wald und an der Fasanerie vorbeiführt, am Fuß des Schläferskopfs. Sicherlich verdient, wenn man sich das bisherige Ergebnis betrachtet. Und angesichts der vertrauensvollen Zusammenarbeit von städtischem Betrieb und freiwilligem Förderverein, engagierter Mitarbeiter wie ehrenamtlich Überzeugter, hat Wiesbaden hier wirklich Glück gehabt und ein Kleinod lebt auf. Zum Wohl der Tiere und der Menschen.

Eine nette Randanekdote, die wir vom Wirt des Jagdschlosses erfuhren: Zwei Tage nach dem Sturm entdeckte Heiko Freisheimer einen offensichtlich durch das Unwetter verirrten und noch verwirrten Storch, der quer über die Straße lief, fing ihn und brachte ihn zu seiner Familie.


1001 Hilfsangebote – Aktionismus in seiner besten Form

Wir begegnen der nimmermüden Conny Kempken, 1. Vorsitzende des Vereins seit 2014, zum ersten Mal eine Woche nach dem Sturm. Die Welle der Hilfsbereitschaft war schon in vollem Gange. Die „Zumba-Gruppe Biebrich“ um die Organisatorin Angie Botti organisierte eine Trainingsstunde auf dem selbst vom Sturm beschädigten Sportplatz der Pestalozzischule. Mehr als 40 zahlenden Teilnehmern, dem durch Henkell und der Tanzinitiative „Wiesbaden bewegt sich“ gesponserten Getränkeverkauf sowie weiteren Einzelspenden ist ein Erlös von über 1.000 Euro zu verdanken. Die Gruppe übernahm zudem auch eine dauerhafte Patenschaft für einen Waschbären, der nun „Zumbi“ heißt.

  • Jörg Sobek von der Fraktion Linke/Piraten kündigte am gleichen Tag an, seine Aufwandsentschädigung als Stadtverordneter für die Fasanerie zu spenden (rund 600 Euro).
  • Schulen und Kindergärten haben gesammelt, dass „Schiffkino“ in Schierstein versteigerte im Rahmen der Open-Air-Filmvorführung am Schiersteiner Hafen ein gespendetes Bett des „Indian House“ für rund 1.000 Euro.
  • Fünf- bis sechsjährige Jungs der G-Jugend des FC Freudenberg spielten zugunsten der Fasanerie gegen Kohlheck Fußball, Eltern verkauften Spundekäs und „Kurze“, und so kamen auch dort 500 Euro zusammen.
  • Auch in verschiedenen Firmen ging der Hut herum, und zum Abschluss der Freibadsaison gab es erstmals einen Hundeschwimmtag in Kostheim in der Maaraue, bei dem 50 Cent pro Pfote und Fuß 3 Euro pro Hund und Halter erbrachten – auch hier kamen über 700 Euro zusammen.
  • Fünf Ortsbeiräte umliegender Stadtteile stellten aus ihren Verfügungsmitteln Beträge zwischen 1.000 und 5.000 Euro zur Verfügung.
  • Ein Spendenwochenende im Hochwildschutzpark Rheinbölllen brachte Hilfe auch von der anderen Rheinseite. Insgesamt kamen hier 1.600 Euro zusammen.
  • Genau einen Monat nach dem Unglück spielte der wohl derzeit bestgebuchte Einzelmusiker Wiesbadens, Rick Cheyenne, ein Benefizkonzert am Jagdschloss. Organisiert hatte das Konzert Heiko Freisheimer, es erzielte ebenfalls einen vierstelligen Betrag.
  • Einen weiteren Monat später, am 1. Oktober, brachte die vom Eventportal „Stadtleben.de“ organisierte Benefizveranstaltung nebst Streetfood-Markt und reichhaltigem Kinderprogramm, nicht nur Tausende Menschen an den Start (ESWE-Verkehr unterstützte die Aktion mit der doppelten Anzahl an Bussen), sondern mit gut 10.000 Euro auch den bislang höchsten Spendenerlös aller Aktionen, die sich seit dem 1. August entwickelten.

Es sind aber nicht nur die großen Summen, die der Fasanerie zugutekommen und Conny Kempken so beeindrucken. Es waren auch die vielen kleinen Gesten, die den Förderverein und die Mitarbeiter der Fasanerie so berühren. Allen voran das Kind, das am Tag der Wiedereröffnung an den Spendenstand kam, Kempken einen Euro in die Hand drückte und zufrieden sagte: „Dafür habe ich auf mein Eis verzichtet!“

Viele kleine Leute,
in vielen kleinen Orten,
die viele kleine Dinge tun,
können das Gesicht der Welt verändern.
(Weisheit aus Afrika)

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