Editorial Heft 3 / 2014

Editorial 2014-1

Liebe Leserinnen und Leser,

bei den Überlegungen, wie wir unser Titelthema illustrieren könnten, waren wir unsicher, ob es möglich und in deren Sinne ist, einige der Menschen abzubilden, über deren Schicksal zur Zeit viele reden und nachdenken. Wir haben es riskiert – die Flüchtlinge, die wir hier zeigen, – sie alle sind erst vor wenigen Wochen in Wiesbaden angekommen, haben keine Sekunde darüber nachgedacht – sie haben ganze andere Probleme und sie haben uns vertraut.

Was einige dieser Menschen, die sie auf den Bildern sehen, mit ihren eigenen Augen gesehen haben mögen, will und kann man sich vermutlich kaum vorstellen. Wobei eine ausweglose Notsituation nicht zwangsläufig so grausam, aber auch so „telegen“ sein muss wie die in Syrien, im Gazastreifen, im Sudan oder an einem der vielen weiteren Brandherde dieser schweren Zeiten. Aber ebendiese Bilder, die uns Tag für Tag über sämtliche Medienkanäle erreichen, scheinen etwas verändert zu haben. So dürfen wir hoffen, dass die vermehrte Zahl der Flüchtlinge bei uns auf offenere Arme trifft, als man das noch vor ein paar Jahren hätte annehmen dürfen. Und in Wiesbaden sieht vieles danach aus.

Was geschieht nun eigentlich am Kureck und vor allem: Wann geschieht etwas? Der Verwaltung zumindest kann man hier keinen Vorwurf machen. Ein Investor scheint nicht nicht zu wissen, was er will.

Über Großprojekte für gut 300 Millionen Euro wurde in diesem Jahr von Wiesbadener Gremien entschieden. Mit den Hallen am Platz der Deutschen Einheit nähert sich Wiesbaden bereits der Verschuldungsobergrenze an. Und obwohl die Stadt noch gute Einnahmen hat, regt sich politischer Widerstand. Zum Beispiel beim Bürgerbegehren gegen das Mietmodell Stadtmuseum, dessen kultureller Mehrgewinn im Vergleich zum möglichen Schaden noch unklar ist. Hier geht es um finanzielle Belastungen in dreistelliger Millionenhöhe in insgesamt drei Jahrzehnten.

Bürgerbeteiligung kann nur einhergehen mit Bürgerinformation. Wir möchten unseren Leserinnen und Lesern Chancen des Handelns und des Engagements aufzeigen, bevor sie zu teilnahmslosen Bürgen werden. Deshalb werden Bürgerbegehren von übergeordneter Bedeutung für ganz Wiesbaden immer auch im lilienjournal Erwähnung finden.

Nun viel Spaß mit unserem neuen Heft und kommen Sie gut ins neue Jahr!

Ihre Mario Bohrmann und Ullrich Knapp

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