blökende Landschaftsgärtner

Blökende Landschaftspfleger

Natürliche Beweidung durch Schafe, Ziegen und Rinder – Es ist ein gutes Zeichen, dass im Stadtgebiet wieder vermehrt Schafherden unterwegs sind. War Schafhaltung im ländlichen Außenbereich zwar nie ganz verschwunden, aber lange Zeit rückläufig, setzte im vergangenen Herbst das Umweltamt erstmals auch im stadtnahen Gebiet wieder auf die wolligen Wiederkäuer als Landschaftspfleger und 200 Schafe zogen durch das Nerotal.

Um die Landschaftsparks und Waldwiesentäler vor Verbuschung zu schützen, beauftragt die Stadt regelmäßig Landwirte oder andere Lohnunternehmen, Wiesen zu mähen beziehungsweise Büsche oder Bäume zurückzuschneiden. Umweltamt und Grünflächenamt teilen sich diese Aufgaben, je nach Zuständigkeit, Aufgabe und Gebiet.

Die Beauftragung von Schäfern zur natürlichen Beweidung, wie sie früher gang und gäbe war, nimmt stetig zu. Schon traditionell wurden die Waldwiesen früher beweidet; nach den Vorstellungen des Umweltamtes soll dies zukünftig wieder häufiger geschehen. Beweidung ist unter dem Strich nicht teurer als die maschinelle Mahd, oft sogar günstiger, bringt aber ganz wesentliche Vorteile zum Erhalt der biologischen Vielfalt mit sich. Sie ist sogar bestens geeignet, Fehler der Vergangenheit ein Stück weit wiedergutzumachen – und ein Naturerlebnis für Klein und Groß ganz nah zum „Städter“ zu bringen, anstatt nur durch „Ferien auf dem Bauernhof“ erfahrbar zu werden.

Bevor alles Grünland verödet

Aus Fehlern, die andere Länder anscheinend erst noch selbst machen müssen, scheint Europa, insbesondere Deutschland, gelernt zu haben. Die Abholzung von Wäldern, die Zerstörung natürlicher Ökosysteme durch übermäßige landwirtschaftliche Nutzung nebst Kunstdüngereintrag in Gewässer, Klimaveränderungen und die Erhöhung des Kohlendioxidgehalts in der Atmosphäre waren Auswirkungen industrieller Exzesse. Der Eintrag von Neophyten – nichtheimische Pflanzen, die heimische verdrängen – trug zusätzlich dazu bei, dass die Biodiversität seit Mitte des 20. Jahrhunderts dramatisch abnimmt. Doch was ist „Grünland“ überhaupt?

„Nach ökologischen Kriterien umfasst Grünland alle dauerhaften Pflanzengemeinschaften aus Kräutern und Gräsern, die natürlich oder durch Nutzung des Menschen entstanden sind. Zum Grünland gehören gedüngte und ungedüngte Wiesen und Weiden zur Futtergewinnung, aber auch Mähwiesen zur Biomasse- und Einstreugewinnung, sowie Naturschutzflächen wie Feuchtgrünland, Magerrasen und Streuobstwiesen.“ (Grünland-Report, Bundesamt für Naturschutz)

Mehr als ein Drittel der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Deutschland, rund fünf Millionen Hektar, sind Grünland und unentbehrlicher Bestandteil nicht nur einer multifunktionalen Landwirtschaft. Ohne Grünland verarmt die biologische Vielfalt bei Pflanzen wie Tieren und (Nah-)Erholungsraum für die Bevölkerung geht verloren. Im Vergleich zu landwirtschaftlicher Nutzfläche kann Grünland rund das Dreieinhalbfache an Kohlenstoffvorräten auf gleicher Fläche speichern. Auen, als natürliche Überschwemmungsgebiete, tragen zudem maßgeblich zum Hochwasserschutz bei, da sie erhebliche Mengen an Niederschlägen aufnehmen können. Dank ihrer Eigenschaft, Böden dauerhaft zu durchwurzeln, beugen sie nicht nur der Bodenerosion vor, sondern helfen obendrein, das Wasser zu filtern und so die Grundwasserqualität zu verbessern. Für ein Picknick wählt man ganz sicher einen lauschigen Platz auf Grünland, nicht auf versteppter Fläche oder einem gepflügten Acker.

Natürliche Beweidung

Hausschafe, aus Wildschafen wie dem Mufflon hervorgegangen, zählen zu den ältesten Haustierrassen überhaupt. Wurden Wildschafe durch Trophäenjagd und Konkurrenz zu Hausvieh in manchen Gegenden wie dem Balkan bereits vor 3.000 Jahren ausgerottet, begleiten Hausschafe den Menschen seit 9.000 bis 11.000 Jahren. Zur Gruppe der Ziegenartigen (Caprinae) gehörend, sind Schafe (Ovis) für Laien nicht immer leicht zu unterscheiden. Ziegen und Schafe gibt es mit und ohne Hörner und in vielfältiger Gestalt. Am ehesten sind sie an ihrem Schwanz zu erkennen. Das Schaf trägt ihn hängend, Ziegen dagegen stellen ihren Schwanz auf. Und auch im Wesen und ihren Fressgewohnheiten unterscheiden sich Schafe und Ziegen erheblich, was bei kontrollierter, natürlicher Beweidung durch unterschiedliche oder gemischte Gruppen zum Nutzen eingesetzt werden, unkontrolliert aber auch schaden kann.

Den Bock zum Gärtner machen

Der Autor dieses Artikels hatte selbst mehr als zehn Jahre lang drei Zwergziegen aus dem Tierheim das Gnadenbrot in einem großen, wilden Naturgarten geboten. In der naiven Hoffnung, sie würden den Rasen mähen, machten sie als erstes zwei Apfelbäume zunichte, indem sie mit Genuss deren Rinde abknabberten. So geschädigt überlebten die Bäume den nächsten Winter nicht. Unkontrollierte Ziegenherden können sehr zerstörerisch wirken, wie man an den Beispielen Kanarische Inseln und Griechenland sieht. Dort hat man mittlerweile ein ökologisches Problem, da es zu lange toleriert wurde, dass die wild grasenden Ziegenherden alles an Grünem (an)fressen, was sie vorfinden.

Zielgerichtet eingesetzt ersparen Ziegen manchen Rückschnitt mit der Heckenschere. Sie lieben frische Brombeerblätter, deren grüne Dornen sie nicht stören. Im Gegensatz zu Schafen, mit Ausnahme vielleicht von Kamerunschafen, stellen sie sich auf ihre Hinterläufe und erreichen so Äste und Zweige, deren Blätter sie fressen, und kürzen gleichzeitig junge Triebe ein. Dies allein schadet nicht, im Gegenteil hält es übermäßiges Wachstum im Zaum. Nacheinander eingesetzt, auch gemeinsam mit Rindern, werden ganz unterschiedliche Wuchshöhen und Pflanzen in unterschiedlichen Wachstumsstadien erreicht.

Grüne Inseln schaffen

Um biologische Vielfalt zu erhalten und wieder auszuweiten, sind keine großen Schutzgebiete nötig. Es genügt bereits, wenn am Rande von landwirtschaftlich genutzten Flächen kleine Inseln „tierischer Glückseligkeit“ geschaffen werden. Unbearbeitete Randbereiche, Streuobstwiesen und verwildertes Buschwerk um sie herum geben einer Vielfalt von Insekten und Vögeln sowie unzähligen Pflanzenarten Raum zurück. Schon mit wenig Fläche, sich selbst überlassen, begnügen sie sich. Was in weniger aufgeräumten Wäldern durch liegen gelassenes Totholz oder den ein oder anderen morschen Baumstamm binnen kurzer Zeit ermöglicht wird, gilt umso mehr bei landwirtschaftlichen Flächen und in Grünlandgebieten. Die Natur holt sich sehr schnell ihren Raum zurück – wenn man sie lässt. Natürliche Beweidung, ohne schwere Landmaschinen und damit verbundene Bodenverdichtung, hält solche Inseln in Form und haucht ihnen neues Leben ein.

Tierische Saatguttransporter

Schafe und Ziegen haben ein breiteres Futterspektrum als Rinder, deren übermäßige Haltung als hochleistungsfähige Milchlieferanten ohnehin ein großes Problem darstellt. Ziegen benutzen zum Fressen ihre sehr beweglichen Lippen, selektieren genau, worauf sie Appetit haben. Schafe reißen das Gras durch Festhalten der Pflanzen zwischen den unteren Zahnreihen und der Kauplatte des Oberkiefers mit kräftigem Ruck ab. Durch ihr unterschiedliches Fressverhalten schaffen sie stellenweise wieder Raum im Mutterboden für Saaten, die durch Wind, benachbarte Pflanzen oder sie selbst übertragen werden. An ihrem Fell bleibt bei den Streifzügen durch Feld und Wiese so manches neue Pflanzenleben hängen, und auch der Verdauungsvorgang vermag kaum jede Samenkapsel aufzulösen. Als Paarhufer und bei richtigem Tritt bringen sie so manche Pflanzenart nicht nur von A nach B, sondern auch gleich in die richtige Bodentiefe.
Natürliche Beweidung ist ein maßgeblicher Beitrag zur Erhöhung der Artenvielfalt. Nicht weil der Mensch es an diesem oder jenem Ort für richtig hält, sondern weil die Natur und der Zufall es so wollen. Auch kleine Tiere und viele Insekten werden so „verschleppt“, allerorten findet ein Artenaustausch statt. Und das ist gut so.

Seid willkommen, ihr Schafe

Die Beweidung von Wiesen- und Auenflächen in Wiesbaden könnte weiter zunehmen, doch es gibt zu wenige Schäfereien, um die Nachfrage abzudecken. Dies liegt auch daran, dass wir Wiesbadener uns erst wieder an den Anblick von Schafen in stadtnahem Gebiet gewöhnen und Rücksicht nehmen müssen. Vielbefahrene Straßen, teils von Spaziergängern hochfrequentierte Wege, manche Naivität oder gelegentlich rücksichtsloses Auftreten von übermütigen Jugendlichen oder uneinsichtigen Hundehaltern machen es Schafen, Schäfern und Hütehunden unnötig schwer. Umso erfreulicher ist es, dass das Experiment im Nerotal im Herbst letzten Jahres gelungen ist und wir auf eine Ausdehnung dieses Jahr hoffen dürfen. Es war ein gewagtes Experiment, denn dieses Gebiet gehört zu den beliebtesten Naherholungsräumen Wiesbadens. Die Schäferin, die rund 200 mit dem Lkw aus Auringen transportierte Tiere begleitete, stand zunächst vor vielen Fragen.

Hundehalter nehmen Rücksicht

Wie Patricia Kremer vom Umweltamt berichtete, blieben Probleme mit Hundehaltern, die es gewohnt sind, ihre Tiere frei laufen zu lassen, zwar nicht aus, aber man bekam sie bald in den Griff. Manche beschwerten sich zwar zunächst – sie hatten die Hinweisschilder zur geplanten Beweidung wohl noch nicht zur Kenntnis oder wirklich ernst genommen – aber sie zeigten nach Aufklärung schnell Einsicht. In den Folgetagen besserte sich die Lage. Insgesamt vermeldet das Umweltamt eine nachhaltig positive Resonanz. Wie man vernehmen darf, stellen sich schon wieder die ersten Anrufer im Umweltamt ein und fragen nach den nächsten Terminen, denn sie wollen auf gar keinen Fall verpassen, wenn wieder Schafe innenstadtnah durch die Landschaft ziehen. Auch einige Kindergärten haben die Aktion genutzt und sind ins Nerotal gepilgert. Dieses Jahr ist möglicherweise mit einem längeren Schafszug zu rechnen, der im Nerotal beginnen und über Waldwiesen stadteinwärts ins Tennelbachtal führen könnte.

Mehr Pflegeaufträge des Umweltamts

Vier Projekte im Stadtgebiet gibt es bereits. Neben den Rhönschafen und Pustertaler Rindern an der Grorother Mühle mähen in Kloppenheim Gallowayrinder die Weideflächen. Hauptberuflich Landschaftsarchitekt, hält Markus Warning als Nebenerwerbslandwirt diese robusten und ganzjährig im Freien lebenden Kolosse. Im Osten Wiesbadens will die Jagdgemeinschaft Delkenheim mit einer kleine Herde von Kamerunschafen Landschaftspflege betreiben. Äußerlich ähneln sie eher Ziegen und können auch ziemlich gut klettern – wahre Ausbruchskünstler.

Die Schäferei im Alsbachtal – nicht nur Liebhaberei

Schäfer ist ein Ausbildungsberuf mit dreijähriger Ausbildungszeit. Als „Tierwirt/in Schäferei“ lernt man deutlich mehr als nur die Versorgung und Führung von Schafherden. Nur drei Berufsschulen in ganz Deutschland unterrichten noch diesen naturverbundenen Beruf. Wer Schäfer wird, der tut dies sicher nicht des Geldes wegen. Schäfer sind besonders, sie sind die Philosophen unter den Nutztierhaltern – oft eigen, gern speziell und auch oder gerade in urbanem Raum liebenswerte und freiheitsliebende Exoten. Bis das lilienjournal die mit Abstand größte Wiesbadener Schafherde im Auringer Alsbachtal besuchen und fotografieren durfte, war ein gutes halbes Jahr Überzeugungsarbeit nötig. Nicht immer hat man gute Erfahrungen mit der Presse gemacht. Umso mehr nehmen wir uns die Zeit und geben den Raum, diese gerade in heutigen naturfernen Zeiten so wichtige Arbeit von Mensch mit Tier und den Nutzen für die Natur ausführlich darzustellen.

Die Lammzeit

In den großzügigen Offenställen des Schäfers und hauptberuflichen Tierarztes Michael Klein aus Alt-Auringen tummeln sich rund 500 Mutterschafe, Ziegen und nur eine Handvoll Böcke. Diese genügen, um im Herbst die meisten Schafe zu decken, damit in der Lammzeit, fünf Monate später, die gewünschten Lämmer auf die Welt kommen. Ein Mutterschaf bringt jährlich meist ein, manchmal zwei Lämmer zur Welt. Sie stehen rasch auf noch wackeligen Beinen und suchen nach der Milch. Der wie beim Menschen angeborene und instinktive Saugreflex verhilft ihnen zur ersten Nahrung, nur selten sollte der Mensch eingreifen. Würde er es in den brisanten Fällen jedoch nicht tun, wäre es schnell mit dem jungen Leben vorbei. Direkt nach der Geburt verbringen die Lämmer mit ihrer Mutter einige Tage in Einzelbuchten, wo sich ihre Bindung festigen kann. Danach werden sie markiert und in größeren Gruppen – getrennt nach Einlingen und Zwillingen – gehalten. Als Ganzes wird die Herde erst nach der Schur Mitte/Ende April zusammengeführt. Die Lämmer erkennen ihre Mutter am Geruch und am Ruf und finden sie auf diese Weise selbst in großen Herden wieder.

Sichtbar gut geht es den Schafen im Alsbachtal wie auch allen anderen Herden, die wir im März in Wiesbaden besuchen konnten. In trockener Einstreu liegend, bleiben sie noch in den Ställen. Ab April, je nach Witterung spätestens im Mai – dann werden sie auch geschoren – geht es auf die Weiden. Noch drängeln sie nicht nach gewohnter Freiheit, Mutterfreuden machen glücklich. Schafe sind bescheidene Tiere. Aber gewiss nicht dumm.

Desillusionierung

So süß die hier abgebildeten Lämmer auch sind, muss man sich von dem Gedanken verabschieden, sie alle würden groß. Als Osterlämmer werden in hiesigen Breiten eher wenige bereits Ende März/Anfang April geschlachtet oder an Viehhändler verkauft . Es lohnt einfach noch nicht von deren Gewicht her. Insgesamt kann man die Schäferei wirtschaftlich ohnehin nur betreiben, wenn man Hunderte Tiere einsetzt und sie irgendwie vermarkten kann, oder im Familienverbund arbeitet. Von bezahlter Beweidung und wenigen Viehverkäufen allein kann keine Schäferei leben. Und wohin mit den alljährlich geborenen Jungtieren?

Meist sind es familiengeführte Betriebe, die zwölf bis vierzehn Stunden am Tag und fast ohne Urlaub arbeiten, um über die Runden zu kommen. Eine Familienarbeitskraft leistet bis zum Zweieinhalbfachen eines angestellten Schäfers. Hier im Alsbachtal haben wir es mit einem gesunden Mix aus Liebhaberei und Professionalität zu tun. Ein ganzjährig angestelltes Team von drei Schäfern und Schäferinnen – hier sind es Sofie, Ghazal und Tobias – wird zur Lammzeit von zwei zusätzlichen Kräften unterstützt. Michael Klein, als Tierarzt und „nebenberuflicher“ Schäfer immer in der Nähe, schläft wie seine Mitarbeiter oft vor Ort im Schäferwagen, eine Mischung zwischen Bau- und Wohnwagen, liebevoll und bunt gestaltet. Schäfer sein ist harte Arbeit.

Wolle und Fleisch

Die Globalisierung forderte auch hier merkwürdige Tribute. Für Wolle wird kaum noch bezahlt, geschoren wird in Deutschland eigentlich nur noch, um die Schafe zu schützen, denn klassischen Woll- und Landschafen muss man das Fell zum Sommer abnehmen: Zuviel Wollekönnte die Tiere an heißen Tagen überhitzen. Sie wurden zur jährlichen Schur gezüchtet. Sie muss sein. Um Wolle jedoch zu verwerten, zu kämmen und eventuell sogar zu Garn spinnen zu lassen, muss man sie zunächst waschen. Wollwäschereien größeren Maßstabs gibt es allerdings nicht mehr in Deutschland. Es scheint geradezu pervertiert, dass Großhändler die Wolle für Minimalstbeträge zwar wenigstens noch abnehmen, aber im Container nach China senden, wo geringere Umweltstandards und Löhne gelten, um sie dann, vorverarbeitet, nach Monaten wieder hier in Empfang zu nehmen.

Für die Eigenschlachtung gelten hohe gesetzliche Voraussetzungen. Daher verkaufen viele Züchter die Lämmer und einige Mutterschafe an Großviehhändler oder fahren sie selbst zum Schlachthof. Für ein Lamm werden, je nach Größe und Aufwand, zwischen 100 und 150 Euro bezahlt. Michael Klein achtet auf möglichst leidfreien Transport mit kurzen Wegen und auf „angstfreie“ Schlachtung. Im Gegensatz zu Schweinen und Rindern, die wissen, was auf sie zukommt und oft schreiend ihrem Schicksal zu entrinnen versuchen, laufen Schafe diesem eher ruhig entgegen, da sie Umtreiben, Sortieren sowie Transportieren gewohnt sind. Für viel unnötiges Leid, vor allem bei der Großviehhaltung und -schlachtung, sind die immer größer werdenden bäuerlichen Betriebe mit zigtausenden Tieren verantwortlich, vor allem in Nord- und Ostdeutschland.

Gesamtbiologisches Fazit und naturpädagogischer Ausblick

Mehr Schafhaltung in Deutschland und natürliche Beweidung, auch stadtnah, bringen uns mehr als nur ein Stück Natur zurück. Sie schulen die Sinne und machen aufmerksam auf die Zusammenhänge. Schafhaltung, wohlgehütet, ist mehr als nur ein nostalgisches Überbleibsel aus vergangener Zeit. Sie trägt durch ihre vielseitigen Leistungen zu einem besseren Klima und dem Erhalt der Biodiversität bei. Würden mehr Menschen dieses Wissen miteinander teilen – uns allen wäre geholfen. Jeder kann dazu beitragen.

Die Schäferei im Alsbachtal möchte auch gerne den pädagogischen Nutzen der Schäferei weiter in den Vordergrund bringen. Es soll verstärkt Schulklassen und Kindergartengruppen ermöglicht werden, das Leben der Schafe und Ziegen kennenzulernen. Haltung, Fütterung und Nutzen, Landschaftspflege, Fleisch, Milch, Käseherstellung, Wolle, Schafschur, Wollverarbeitung. Des Weiteren soll wie in der Vergangenheit bereits geschehen, Kindern und Jugendlichen, die aus verschiedensten Gründen eine „Auszeit“ in ihrem schulischen oder familiären Umfeld benötigen, die Möglichkeit gegeben werden, sich unter pädagogischer Betreuung mit den Bedürfnissen und Eigenarten der Schafe und Ziegen vertraut zu machen (heilpädagogischer Bereich der Schäferei).

Wie die Jungfrau zum Kind kam Michael Klein (54) zur Schäferei. 1983, mit Anfang 20, versorgte er für einige Zeit die Schafe eines Freundes und fand Gefallen daran. Als dieser ihm dann zum Dank drei Lämmer schenkte, war sein Schicksal besiegelt. Anfangs ein Hobby, wurden es schnell mehr. Um seine Tiere gut versorgen zu können, beschäftigte er sich mit Krankheiten und Verletzungen und wurde darin bestärkt, Tierarzt zu werden. Das eine bedingte das andere. Eine ganz besondere Kombination entstand im Alsbachtal, die zusammen mit den anderen Herden in Wiesbaden dem Stadtklima gut tut.

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